Das richtige Doppelpaddel
für dein Kajak

Das Doppelpaddel ist das wichtigste Utensil eines Kajakers. Doppelpaddel gibt es in unterschiedliche Ausführungen. In dem Artikel möchten wir dir anhand des Aufbaus und der eingesetzten Materialien die notwendigen Grundlagen für die richtige Auswahl eines Doppelpaddels näher bringen. Außerdem gehen wir anschließend auf die Gewichts- und Längenunterschiede von Doppelpaddel ein.

1. Der Aufbau eines Doppelpaddels

In diesem Abschnitt möchten wir etwas näher auf den Aufbau eines Doppelpaddels eingehen. Denn Doppelpaddel gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und man tut sich leichter bei der Wahl des richtigen Doppelpaddels, wenn man die Unterschiede kennt.

1.1 Der Paddelschaft

Der Paddelschaft verbindet bei einem Doppelpaddel beide Paddelblätter miteinander. Neben den festen Paddelschäften gibt es auch teilbare Paddelschäfte. Doppelpaddel gibt es sowohl als zwei-, drei- oder vierteilige Varianten. Prinzipiell sind ungeteilte Paddel konstruktionsbedingt robuster, weniger anfällig und leichter. Aufgrund ihrer höheren Steifigkeiten lassen sie sich effektiver paddeln. Im Vergleich dazu sind teilbare Doppelpaddel empfindlicher, verschmutzen und verschleißen schneller an den Teilungen. Unter Schlauch- und Faltkajakfahrer sind zerlegbare Doppelpaddel dennoch sehr beliebt. Sie lassen sich im Rucksack oder in der Transporttasche verstauen und bieten somit maximale Mobilität. Durch die Teilung ist es bei vielen teilbaren Paddeln außerdem möglich, den Drehwinkel individuell einzustellen.

Was ist der Drehwinkel eines Doppelpaddels?

Der Drehwinkel gibt an, mit wie viel Grad die Paddelblätter zueinander stehen. Bei einigen Doppelpaddeln lässt sich der Winkel in Stufen oder sogar stufenlos einstellen. Am schnittigsten ist das Paddel bei einer Drehung von 90° und hat somit den geringsten Windwiderstand. Aufgrund der Drehbewegung ist es ergonomisch für die Handgelenke jedoch eine höhere Belastung. Für die Handgelenke ist ein spitzer Winkel ideal, bei Wind jedoch sehr nachteilig. Der Gegenwind setzt  sich an das unbenutzte zurückkehrende Paddelblatt fest und erschwert das Paddeln deutlich. Durch den Drehwinkel wird der Luftwiderstand minimiert. Der Drehwinkel ist also immer ein Kompromiss aus Ergonomie und reduziertem Windwiderstand. Daher werden die Doppelpaddel meist mit einem Drehwinkel von 45° gefertigt, Touren Paddel öfters auch mit 60°.  Falls euer Doppelpaddel verstellbar ist, so nehmt erstmal 45°.  An windstillen Tagen kann der Winkel reduziert werden und ihr schont somit eure Handgelenke. Am Ende hängt es von eurem Empfinden ab, was der richtige Drehwinkel ist.
Es gibt unterschiedliche Stecksysteme bei teilbaren Paddeln. Sehr verbreitet ist der Federschnapper.  Außerdem gibt es das Vario System, was eine Art von Schnellspannsystem ist. Im Schaft gibt es einen Spannring, der über einen Hebel festgespannt wird. Dadurch lässt sich die Gradzahl der Paddelblätter stufenlos einstellen und die Länge bis zu 10 cm variieren. Achtet darauf, nicht die günstigsten teilbaren Doppelpaddel zu kaufen. Sehr günstige Modelle klappern und leiern schnell an der Teilung aus.
Ein Großteil der teilbaren Doppelpaddel lassen sich mit Federschnapper verbinden.
doppelpaddel_paddelschaft_drehung
Bei einigen Doppelpaddeln lässt sich der Drehwinkel bis aufs Grad genau einstellen.

1.2 Das Paddelblatt

Das Paddelbatt stellt das äußere Ende des Doppelspaddels dar. Doppelpaddel unterscheiden sich nicht nur in Material und Länge, sondern auch in der Symmetrie und Größe des Paddelblatts. Es gibt sowohl symmetrische als auch asymmetrische Paddelblätter. Symmetrische Blätter haben eine identische Ober- sowie Unterseite und eignen sich für das Wildwasserpaddeln. Bei asymmetrischen Paddelbättern ist die Unterseite leicht angeschnitten, sodass beim Einstechen des Paddels ins Wasser sich der Druck gleichmäßiger auf das Paddelblatt verteilt. Dadurch lässt sich das Paddelblatt geschmeidiger durch das Wasser ziehen. Diese Paddelblätter sind ideal für das Paddeln auf Flüssen, Seen und Meer, und stellen die häufigste Art dar. Tourenpaddler, die weite Strecken zurücklegen, nehmen gerne ein schmaleres Paddelblatt, da dieses sanfter durch das Wasser gleitet und die Muskulatur weniger beansprucht. Größere Blätter haben ihre Stärken in der Beschleunigung und bei schnellen Richtungswechseln. Diese sind also vor allem für sportlich-orientierte Paddler gedacht, die auf Schnelligkeit paddeln. Die handelsüblichen Paddelblätter haben eine durchschnittliche Größe und sind für den universellen Einsatz ausgelegt.  

asymmetrisches_paddelblatt
Ein asymmetrtisches Paddelblatt ist an der Unterseite leicht abgeschrägt.
symmetrisches_Paddelblatt
Ein symmetrisches Paddelblatt. Die Unter- und Oberseite sind identisch.

1.3 Tropfringe

Eigentlich sind Tropfringe bei einem guten Doppelpaddel selbstverständlich. Bei sehr günstigen Doppelpaddeln wird dort oft gespart. Diese lassen sich zusätzlich nachkaufen, und sind unerlässlich. Tropfringe (meist aus elastischem Kunststoff) verhindern, dass das am Paddelblatt und -Schaft zurücklaufendes Wasser am Arm oder ins Boot landet. Statt in die Ärmel oder ins Boot läuft das Wasser an den Tropfring und tropft von dort ab. Idealerweise befinden sich die Tropfringe ungefähr 10-15cm vom Blatt/Schaftübergang.  Spätestens auf langen Touren sind Tropfringe unerlässlich, denn ohne sie bekommt man nasse Arme und Ärmel, und in das Boot tropft ständig Wasser rein.

doppelpaddel_tropfring
Tropfring am Doppelpaddel. Hier ist der Tropfring zu nah am Paddelblatt.

2. Das Material eines Doppelpaddels

Der Großteil der Doppelpaddel besteht aus einem Aluminium, Glasfaser oder Carbon Schaft. Die Paddelblätter sind aus einem einfachen Kunststoff, bei höherwertigeren aus einer Glasfaser oder aus Carbon gefertigt. Oft kommt auch ein Materialmix zum Einsatz. Das Material eines Paddels sollte vor allem auf Basis des vorgesehenen Verwendungszweckes ausgewählt werden. Wir stellen Euch die Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

2.1. Aluminium Doppelpaddel

intex kajak zubehoer
Mehrteiliges Doppelpaddel von Intex mit Aluminium Schaft und Kunststoff Blättern.

Aluminium Paddel sind vor allem günstig und dennoch robust sowie sehr haltbar. Insbesondere im Einsteigerbereich besteht der Paddelschaft aus Aluminium. Die Paddelblätter bestehen hingegen meist aus einem einfachen Kunststoff. Aufgrund der Anfälligkeit von Korrosion sind Alu Paddel für Salzwasser weniger geeignet. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Paddel im Vergleich zu anderen Materialien (z.B. Fiberglas oder Carbon) etwas schwerer sind. Alu Paddel richten sich vor allem an sehr preisbewusste und weniger sportlich-orientierte Einsteiger im Paddelbereich.

Itiwit Paddel x100

2-teilig, 220-230 cm

ExtaSea Alu Basic

4-teilig, 230 cm

ExtaSea Alupaddel

2-teilig, 230 cm

Itiwit Paddel x100

2-teilig,220-230 cm

ExtaSea Alu Basic

4-teilig,230 cm

2.2 Fiberglas Doppelpaddel

ExtaSea Doppelpaddel aus Fiberglas Schaft und Kunststoff Blättern.

Paddel aus Glasfaser (GFK oder auch Fiberglas genannt) sind etwas teurer als Alu Paddel. Dennoch punkten diese Paddel vor allem im Gewicht und Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie sind nicht nur leichter als Alu Paddel, sondern fühlen sich auch wärmer an. Das macht das Paddeln vor allem im Frühjahr sowie im Herbst deutlich angenehmer, und schont am Ende die Gelenke und Muskeln. Fiberglas Paddel bieten deutlich mehr Flex, d.h. sie haben eine geringere Steifigkeit. Das kann sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein (siehe untere Infobox für weitere Erklärung). Wer öfters im Jahr paddeln geht oder längere Touren unternehmen möchte, dem empfehlen wir ein paar Euro mehr auszugeben und Fiberglas Doppelpaddel zu kaufen.

ExtaSea Tour Vario

4-teilig, 220-230 cm

ExtaSea Tour Vario

2-teilig, 230-240 cm

ExtaSea Safari Vario

4-teilig, 220-230 cm

ExtaSea Tour Vario

4-teilig,220-230 cm

ExtaSea Tour Vario

2-teilig,230-240 cm

Was ist der Flex eines Paddels?

Der Flex bezeichnet die Steifigkeit des Paddels bzw. besser gesagt des Paddelschafts. Je nach Material und Durchmesser des Paddelschafts ergibt sich ein anderer Flex. Ein Schaft mit einem höheren Flex (z.B. Fiberglas Paddel) „biegen“ sich bei einem kräftigeren Paddelschlag mehr durch. Dadurch wird der Druck auf Gelenke und Schultern reduziert. Wer sehr lange Touren paddelt, sollte ein Paddel mit einem höheren Flex nehmen. Auch wer Probleme mit Handgelenke, Ellenbogen oder Schulter hat, profitiert von einem Paddel mit hohem Flex. Ein steifer Schaft (z.B. Carbon Paddel) überträgt die Kraft hingegen direkter aufs Wasser und ist vor allem für sportlich ambitionierte Paddler und Wildwasserpaddler interessant.

2.3 Carbon Doppelpaddel

werner_carbon_doppelpaddel
Werner Touring Doppelpaddel aus Carbon.

Carbon (CFK) kennzeichnet wie in vielen anderen Sportarten den Highend-Bereich und hat einen entsprechenden Preis. Doppelpaddel aus Carbon kommen vor allem in hochwertigen Wildwasser-, Touring- und Wettkampfpaddeln zum Einsatz. Carbon Paddel werden oft als sehr leistungsfähig bezeichnet. Leistungsfähig bedeutet, dass das Doppelpaddel bei einem geringen Gewicht sehr steif sind und die Kräfte direkter als andere Materialien überträgt. Somit sind präzise Paddelschläge und eine schnellere Beschleunigung des Kajaks möglich. Der größte Vorteil von Carbon ist aber das geringe Gewicht. Vor allem steife und superleichte Paddel aus Carbon besitzen einen hohen Carbon Anteil von über 80%. Günstigere Modelle haben hingegen einen deutlich geringeren Anteil. Dadurch sind diese dann etwas schwerer und haben mehr Flex, also eine geringere Steifigkeit. Allgemein haben Doppelpaddel aus Carbon eine hohe Lebensdauer. Vor allem superleichte und steife Carbon Paddel sind jedoch für einen rauen Einsatz (d.h. viel Steinkontakt, Grundberührungen, Paddelbrücke, Verwendung des Paddels beim Starten und Anlanden, …) weniger geeignet. Da sind Fiberglas Paddel mit Kunststoff Paddelblätter (z.B. Plastik oder auch PE genannt) deutlich weniger empfindlich. Einige Hersteller versehen deshalb die Paddelblätter aus Carbon  mit einer Schutzkante gegen Abnutzungen

Itiwit Paddel x500

2-teilig, 210-220 cm

ExtaSea Pro-XL Vario

4-teilig, 230-240 cm

ExtaSea Pro-XL Vario

2-teilig, 220-230 cm

Itiwit Paddel x500

2-teilig,210-220 cm

ExtaSea Pro-XL

4-teilig,230-240 cm

3. Das Gewicht eines Doppelpaddels

Nicht nur bei Doppelpaddeln sondern prinzipiell bei allen Paddeln gilt: Je geringer das Gewicht, desto besser. Im Vergleich zum Gewicht eines Kajaks können ein paar Gramm mehr schon einen großen Unterschied ausmachen. Stellt Euch vor: Ihr steht vor der Auswahl eines Doppelpaddels mit einem Gewicht von 860 g oder 1040 g. Nach einer Stunde Paddeln (20 Schläge je Minute, was einem gemütlichen Paddeln entspricht) habt Ihr bei einem 180 g schwererem Doppelpaddel 216 kg mehr gehoben. Das macht sich bei längeren Touren bemerkbar. Um das Gewicht zwischen unterschiedlichen Paddeln zu vergleichen, sollten diese die gleiche Länge haben. Die meisten Doppelpaddel gibt es in unterschiedlichen Längen.

4. Die Länge eines Doppelpaddels

Doppelpaddel werden in verschiedenen Größen angeboten, überwiegend zwischen 200 und 240 cm. Die Länge eines Doppelpaddels sollte primär in Abhängigkeit von der eigenen Körpergröße und der Breite des Kajaks gewählt werden. Weitere Faktoren sind die Paddeltechnik (sticht man eher spitz oder flach das Paddel ins Wasser), eigene Vorliebe und die Sitzhöhe im Kajak. Für die Auswahl der richtigen Länge eines Doppelpaddel gibt die unten stehende Tabelle einen ersten guten Anhaltspunkt.

Doppelpaddel_Tabelle
Quelle: prijon.com

Bei Schlauchkajaks beispielsweise kommen aufgrund der voluminösen Seitenschläuche fast ausschließlich Paddellängen zwischen 220 und 240 cm zum Einsatz. Ist das Paddel zu kurz, berührt man ständig die Seitenwände des Kajaks und man kann mit den Seitenblättern nicht richtig ins Wasser stechen. Die Folge ist, dass man je Paddelschlag von rechts nach links und wieder zurück bewegt.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Hallo,

    welche Paddellänge wählt man am besten beim Schlauchkajak? Die sind ja oft deutlich breiter. Das Itiwit X100 liegt zum Beispiel bei 103 cm.

    Grüße
    Thor

    1. Hallo,
      genau. Am Ende ist es abhängig von der Körpergröße und von der Bootsbreite ist. Eine Tabelle zur Auswahl der richtigen Paddellänge findest du in diesem Artikel.
      Viele Grüße
      Sebastian

  2. Hi Christian und Sebastian, habt ihr nicht mal Lust, einen Bericht über die richtige Paddeltechnik zu schrieben? Oder habe ich den übersehen? Ihr seid meine Quelle Nr. 1 geworden ;-).

    1. Hallo Minou,
      cool! Die Idee hatte Christian auch schon 😉 Aus meiner Sicht gibt es bereits einige gute Quellen zur Paddeltechnik im Netz, z.B. PaddleTV oder KayakPaddling.net.
      Viele Grüße
      Sebastian

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