01.01.2019

Ally Tour 16.5 DR
im Test

Der Hersteller norwegische Outdoor-Hersteller Bergans, zudem die Marke Ally gehört, bewirbt das Ally 16.5 DR als meistverkauftes Faltkanadier der Welt. Wer in Norwegen schon einmal paddeln war, wird sicherlich auch schon mal ein Ally Boot auf dem Wasser gesehen haben. Dort nämlich sind diese Kanadier sehr beliebt. Wir haben die Chance gehabt im Rahmen einer Bootsmesse ein Ally Kanadier zu testen und können vorab sagen, dass du uns das Paddeln mit dem Kanadier sehr viel Spaß gemacht hat.

Technische Spezifikation

Hersteller:
Personenanzahl:
Länge:
Breite:
Gewicht:

Bergans
1-3
500 cm
90 cm
20 kg

Packmaß::
Max. Zuladung:

Material:

unbekannt
380 kg
Bootshaut glasfaserverstärktes PVC,
Gerüst Aluminium

Aufbau und Ersteindruck

Da wir das Boot im Rahmen einer Bootsmesse getestet haben, konnten wir es nicht selbst auf- und abbauen. Daher können wir hier keine eigenen Erfahrungswerte angeben. Die Informationen zum Aufbau basieren auf Recherchen und dem Austausch mit dem Hersteller vor Ort. Laut Angaben des Herstellers benötigt man ungefähr 25 Minuten für den Aufbau. Als Anfänger wird man aber deutlich mehr Zeit einplanen müssen, bis man den Dreh raus hat. Vor allem bei neuwertigen Ally Booten gehen die Aluminiumrohre noch nicht so einfach ineinander und deswegen liegt auch ein Gummihammer dabei.

Das Ally 16.5 besteht insgesamt aus 4 Teilen: Bootshaut, Bodenmatte, Steckrahmengestell und Sitze. Die Bootshaut besteht aus Glasfaser verstärkten PVC beschichteten Material. Dieses soll besonders widerstands- und UV-beständig sein. Dennoch kann die Bootshaut auch bei messerscharfen Steinen oder sehr spitzen Äste Schaden nehmen. Prinzipiell verträgt das Material aber relativ viel an Belastung. Bei kleineren bis mittleren Schäden lässt sich dies jedoch selbst mit dem mitgelieferten Reparaturset wieder reparieren. Wasserrutschen aus Beton würden wir aber dennoch vermeiden, um unnötige Scheuerstellen an der Haut zu verhindern.

ally boot
Das Design vom Ally wirkt modern und sportlich.

Die geschlossenzellige Schaumstoffmatte, die zwischen das Steckrahmengestell und die Bootshaut gelegt wird, sorgt für den notwendigen Auftrieb. Die Aluminiumstangen werden wie bei Zeltstangen mit Hilfe eines Gummiseils in Inneren einfach zusammengesteckt. Die Querstreben werden über Klickverschlüsse aus Plastik mit den Längsstangen befestigt. 

faltkanu ally 165
Das Kanadier wird duch ein Steckrahmengestell aufgespannt.
Längs- und Querstreben werden durch Klickverschlüsse verbunden.
Die Bodenmatte sorgt für den notwendigen Auftrieb.

An den Klickverschlüssen kommen dann auch die Schalensitze. Diese sind nicht nur in Höhe und Neigung verstellbar, sondern auch flexibel im Bootsinneren platzierbar. Sie werden eben nicht nur ins Bootsinnere eingehängt, sondern mit dem Rahmen fest arretiert, was auf jeden Fall für mehr Sitzstabilität sorgt.

Das Boot wird idealerweise von 2 Personen gepaddelt, wodurch es sich am einfachsten paddeln lässt und noch viel Platz für Gepäck bleibt. Geübte Paddler können Kanadier auch ohne Probleme Solo paddeln. Dafür montiert man einfach einen Sitz weniger ins Boot. Im Lieferumfang sind zwar nur 2 Sitze, aber durch den Zukauf eines weiteren Sitzes kann es auch von 3 Erwachsenen gepaddelt werden. Für Familien eignet sich der Kanadier ebenso, da es ohne Probleme 2 Erwachsene und 2 Kinder aufnehmen kann. Auch in dieser Kombination kann noch ausreichend Gepäck mitgenommen werden. Es ist erstaunlich, wie viel sich alleine im Bug und Heck verstauen lässt.

ally 165 faltboot sitz
Die Sitzschalen werden fest mit dem Boden verbunden.
ally kanu sitz
Die Sitze sind in Höhe und Neigung verstellbar.

Die Kiellinie des Bootes ist nur wenig gewölbt, wodurch der Hersteller einen guten Geradeauslauf verspricht. Berücksichtigen sollte man immer, dass das Boot mit bestem Geradeauslauf nicht das wendigste Boot sein kann. Dank der einfallenden Enden hat das Boot dennoch eine ziemlich gute Wendigkeit. Wenn du mehr über die grundlegenden Eigenschaften der verschiedenen Kanuformen wissen möchtest, dann empfehlen wir dir den Leitartikel zu Kanus durchzulesen.

Mit im Lieferumfang des Bootes ist auch ein Packrucksack für den Transport und die Lagerung des Bootes. Die gepolsterten Schulterriemen und der Brustgurt erleichtern auf jeden Fall das Tragen. Nichtsdestotrotz wiegt das Boot 20 kg und mindestens Paddel und Schwimmwesten müssen als Ausrüstung noch dazu gerechnet werden. Dies ist ein Gewicht, das man nicht unterschätzen sollte, wie wir auch feststellen konnten, als wir ihn probeweise mal aufgesetzt haben. Kurze Touren zu Fuß sollten kein Problem darstellen. Längere Fußwege mit dem Packrucksack wären aber zweifelsohne ziemlich kräftezehrend und schweißtreibend.

kanu packsack
Im Lieferumfang befindet sich auch ein Packrucksack für Transport und Lagerung.

Erfahrungen mit dem Ally 16.5 DR auf dem Wasser

Schon zu Beginn ist uns sofort das geringe Gewicht des aufgebauten Bootes aufgefallen, welches sehr angenehm zu tragen ist und auch einfach von Bootstegen ins Wasser zu setzen ist. Aufgrund des Gestells aus Aluminiumrohren im Innenraum kann man sich schnell die Frage stellen, ob man beim Einstieg ins Boot besonders vorsichtig sein muss, um beispielsweise nicht auf die Verbindungsstücke zu treten. Diese Sorge ist aber unberechtigt, denn man kann ohne Probleme überall im Boot hintreten. 

Wir sind das Boot bei guten Bedingungen gepaddelt, sonnig und wenig Wind, so wie man sich eigentlich den perfekten Tag für einen Paddelausflug vorstellt.

Das Paddeln mit dem  Ally 16.5 DR auf dem See hat uns richtig Spaß gemacht. Man ist sofort erstaunt, wie gut doch die Fahreigenschaften eines Faltbootes sein können. Dank der nur leicht gewölbten Kiellinie hatten wir auch kein Problem das Boot in einem guten Geradeauslauf zu bekommen. Der große Vorteil gegenüber aufblasbaren Kanus neben den besseren Fahreigenschaften ist zweifelsohne auch die bessere Ausführbarkeit der Paddeltechnik. Bei aufblasbaren Kanus, wie z.B. das Grabner Adventure oder das Gumotex Scout, hat man die breiten Seitenschläuche, bei denen man nicht so dicht am Boot mit dem Paddel einstechen kann und dementsprechend seine Paddeltechnik etwas anpassen muss.

Von den Fahreigenschaften konnte das Ally auf ganzer Linie überzeugen.

Nach einigen kräftigen Paddelschlägen waren wir nicht nur positiv überrascht, wie schnell das Boot an Fahrt aufnimmt. Zwar ist das Ally Tour 16.5 nach Herstellerangaben nicht das schnellste Modell, aber wir hatten den Eindruck, dass wir mit dem Boot schneller unterwegs sein konnten als mit einem Festrumpfkanadier. 

Auch bei kleinen oder größeren Wellen, ist man mit einem Faltkanadier auf der sicheren Seite.  Durch die Flexibilität des Rumpfes windet sich das Boot förmlich über die Wellen, ohne dabei wirklich an Form zu verlieren. Gerade im Wildwasser würde man die klassischen Einschläge im Heck und Bug nicht haben. Dadurch gelangt weniger Wasser ins Bootsinnere als in jeglichen Festrumpfvarianten und bleibt auch beim stärkeren Wellengang länger trocken. Ein weiterer Vorteil, der sich hier ergibt, ist dass starke Bewegungen im Boot nicht gleich auch 1:1 ans Ende übertragen werden und das Boot recht stabiler bleibt. Das ist gerade dann vorteilhaft, wenn man vorne seinen Hund oder Kinder zu sitzen hat.

ally faltkanadier rumpf
Auch als großer Paddler hat man genug Beinfreiheit.

Das Ally Tour 16.5 mit einer Länge von 5 m wird niemals so wendig sein können wie ein 2 m Wildwasserkajak. Auch unser Gumotex Swing 2, welches wir regelmäßig paddeln, ist wendiger als das Ally.  Als wir mit dem Ally gepaddelt sind, haben wir schon gemerkt, dass das Ally ein wenig Zeit braucht um zu reagieren. Dennoch ist es für ein Kanadier relativ wendig. Da die Wendigkeit maßgebend durch den Kielsprung bestimmt wird, lässt sich beim Faltboot über die Sitzposition und Beladung Einfluss nehmen. Im Wildwasser sollte man somit vor allem die Mitte des Bootes belasten, um einen stärkeren Kielsprung zu haben.  Bei Touren auf Seen sollte man vor allem das Gepäck gleichmäßig in Heck und Bug verteilen, um eine gerade Kiellinie zu haben und somit von einem optimalen Geradeauslauf zu profitieren.

Vor allem beim stärkeren Wind würde das Freibord eine große Angriffsfläche bieten und die Manövrierbarkeit und Geschwindigkeit einschränken. Sinnvoll ist hier die Anschaffung von Spritzdecken, die auch bei Regen schützen. Denn gerade mit einem großen Kanadier wird man wahrscheinlich auch mehrtägige Touren unternehmen, wo man vorher das Wetter nicht komplett einschätzen kann.

Die Macher von Lappland-Tour.de sind auch mit einem Ally Tour 16.5 unterwegs und geben in einem Artikel interessante Tipps zur Verbesserung der Lebensdauer. Positiv ist es auch, dass Ersatzteile beim Hersteller nachbestellbar sind.

Das Ally 16.5 DR macht sowohl optisch als auch auf dem Wasser einen vollwertigen Eindruck.

Stärken und Schwächen des Ally Faltkanadiers

Die große Stärke des Ally Tour 16.5 sind seine Fahreigenschaften und sein flexibler Einsatz. Wer bereit ist für ein hochwertiges Faltboot mehr zu investieren und vor allem zu Beginn beim Aufbau Geduld mitbringt, wird nicht viele weitere Nachteile des Bootes finden können.

Das hat uns gefallen

+ sehr gute Fahreigenschaften + sowohl für Seen als auch Wildwasser geeignet + stabile Konstruktion + variable Sitzpositionen + viel Platz im Innenraum + geeignet auch für mehrwöchige Touren + Packsack bereits im Lieferumfang

Das hat uns weniger gefallen

- hoher Anschaffungspreis - zeitintensiver Aufbau - neuwertige Ally Boote sind zäh im Aufbau - scharfe Rohrenden - Boot mit geringer Beladung ist recht windanfällig

Fazit zum Faltkanadier Ally Tour 16.5 DR

Das Ally Kanadier ist genau die richtige Wahl für diejenigen, die weder Auto für den Transport noch genügend Platz daheim haben, um sich ein Festrumpfboot anzuschaffen, sich aber trotzdem dem Kanuhobby widmen möchten. Dank der Falttechnik verfügen Ally Kanadier über eine sehr gute Steifigkeit und kommen den Fahreigenschaften eines Festrumpfbootes sehr nahe.

Das Boot ist ideal für längere Touren mit viel Gepäck auf Seen als auch auf ruhigen bis wilden Flüssen. Klassisches Einsatzgebiet eines solchen Bootes sind beispielsweise für Kanutouren in Schweden. Für die kleine Nachmittagstour spricht aber dagegebn sicherlich der zeitintensivere Auf- und Abbau. Hier sollten sich potentielle Interessenten  auch über die aufblasbare Alternative anderer Hersteller informieren. Diese haben zwar nicht ganz so gute Fahreigenschaften wie Faltkanadier, dafür sind sie aber viel schneller und einfacher aufgebaut. 

Uns hat das Boot auf jeden Fall vom Verhalten auf dem Wasser überzeugt und wir sind uns sicher, es auch in Zukunft wieder paddeln zu möchten.

Weiterführende Links

Fragen oder Erfahrung zum Ally Tour 16.5 DR?

Dann nutzt die Kommentarfunktion, um deine Erfahrungen mit dem Faltkanadier zu teilen. Auch Fragen sind herzlich willkommen. Wir antworten Euch gerne!

Grabner Adventure

Das Grabner ist das High-End Kanu des österreichischen Hersteller

Gumotex Scout

Das Scout konkurriert direkt mit dem Adventure und überzeugt mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis

Gumotex Palava

Das Palava ist die etwas günstigere Alternative zum Scout, die aber mindestens genauso viel Paddelspaß verspricht

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