MRS Alligator 2S

Das MRS Alligator 2S ist ein Packraft, welches laut Packrafting-Store für das anspruchsvolle Packrafting ausgelegt ist. Anspruchsvolles Packrafting bedeutet für uns, dass Packrafter ihr Packraft intensiv unter anspruchsvollen Bedingungen einsetzen möchten (z.B. Wildwasser-Packrafting, große Land-Wasser-Touren, Bikerafting, …) und eine hohe sowie ausgeklügelte Ausstattung erwarten.

Auf den ersten Blick scheint das MRS Alligator diese Eigenschaften mitzubringen. In diesem Test haben wir diesen Anspruch an das Alligator gestellt und möchten berichten, wie es performt hat. Dafür haben wir das MRS Alligator auf zahlreichen Touren (Eintages- bis Mehrtagestouren mit hohem Wanderanteil sowie Bikerafting) und unter unterschiedlichen Bedingungen getestet (Wildwasserstufe 1 – 3, Seen und ruhige Flüsse).

mrs alligator 2s

Produktdaten

Max. Personenanzahl:
Länge:
Breite:
Max. Zuladung:
Packmaß:
Material:
Gewicht (Boot):
Gewicht (Komplett):
Produktionsland:

1
256 cm
87 cm
140 kg
30 x 15 cm
Urethan-Nylon
2900 g
3690 g
China

Welches Modell wurde getestet?

MRS Alligator 2S aus dem Jahr 2021

Wie ist der Test entstanden?

Das MRS Alligator 2S wurde uns vom Anfibio Packrafting Store, einem sächsischen Entwickler und Händler von Packrafts und ultraleichter Paddelausrüstung, zur Verfügung gestellt. Unser Testbericht ist unabhängig vom Hersteller oder Shop und spiegelt unsere eigene Meinung zum Boot wieder.

Wie intensiv wurde es getestet?

angetestet

sehr intensiv
1 Balken = 1-3 km gepaddelt (angetestet)
2 Balken = mind. 1 Tages-/ 2 Halbtagestouren
3 Balken = mind. 4 Touren
4 Balken = mind. 8 Touren
5 Balken = mind. 12 Touren (sehr intensiv)

Wo wurde es getestet?

Wildwasser

Ruhige Flüsse

Seen

Inhaltsverzeichnis

Ersteindruck und Aufbau

Das Alligator 2S hat ein Packmaß von 40 x 25 cm, wiegt 3,69 kg und besitzt ein festintegriertes Wildwasserverdeck, welches sich nicht abnehmen (hingegen möglich z.B. bei Alpacka Expedition) oder aufrollen lässt (hingegen möglich z.B. bei MRS Nomad oder Anfibio Rebel 2K). Das bietet in Kombination mit einer Spritzschürze den besten Spritzwasserschutz. Eine leichte und vollwertige Spritzschürze (330 g) ist im Lieferumfang bereits enthalten.

Das Packraft wird in einer Einheitsgröße angeboten. Der Innenraum lässt sich mit einer optionalen aufblasbaren Fußstütze an der eigenen Körpergröße anpassen. Das macht vor allem beim Einsatz des Packrafts im Wildwasser Sinn. Ansonsten können auch die mitgelieferten Schenkelgurte verwendet werden, um genügend Halt im Packraft zu finden. 

Für einen Aufpreis von 200€ gibt es das Alligator 2S auch als Variante mit Internal Storage System (= ISS). Dann hat das Packraft einen luft- und wasserdichten Reißverschluss im Heck, sodass du Gepäck im Schlauch verstauen kannst. Das ist inbesondere für Mehrtagestouren sehr praktisch. Das hier getestete Packraft besitzt kein Internal Storage System.

MRS Alligator zusammengerollt
MRS Alligator auseinander gerollt

Im Vergleich zu vielen anderen Packrafts besitzt das MRS Alligator 2S standardmäßig einen hochwertigen Finnenbeschlag, um eine Richtungsfinne einzustecken. Eine Finne verbessert den Geradeauslauf eines Bootes, vor allem bei aufblasbaren Booten, die konstruktionsbedingt einen nur mäßigen Geradeauslauf besitzen. Wie viel solch eine Finne am Alligator 2S bewirkt, berichten wir im weiteren Verlauf des Testberichts.

Einstecken der optionalen Tiefwasserfinne in den Finnenbeschlag

Das Packraft besitzt ein Ventil, welches aus zwei Segmenten besteht, eine große Ventilöffnung ohne Rückschlag für den Blasesack und ein kleines aufschraubbares Ventil mit Rückschlag, um den endgültigen Luftdruck mit dem Mund oder mit einer Handpumpe aufzubringen.

Ventil aus seinen zwei Elementen mit Blasesack

Für das Aufblasen des Packrafts liegt standardmäßig ein Blasesack mit dabei. Dieser robuste und leichte Blasesack hat ein Gewinde, welches in das Gewinde der großen Ventilöffnung des Packrafts eingeschraubt wird. Dafür schraubst du das obere Ventilstück aus dem Gewinde und schraubst stattdessen das Gewinde des Blasesacks rein. Dann befüllst du den Blasesack mit Fächerbewegungen mit Luft, rollst ihn von oben zusammen, sodass er schön prall ist. Dann drückst du die Luft in das Packraft. Wird der Luftsack lasch, rollst du den Blasesack weiter ein, bis die Luft des Blasesacks in das Packraft ist. 

Diesen Vorgang wiederholst mehrere Male, bis du keine Luft mehr ins Packraft bekommst. Da die große Ventilöffnung keinen Rückschlag hat, kommt immer etwas Luft in den Blasesack zurück, sofern der Druck im Blasesack nachlässt..

Danach musst du schnell sein, weil sonst unnötig Luft aus das Packraft strömt. Du schraubst den Blasesack ab und drehst das Ventil wieder in das Gewinde rein, welches einen Rückschlag hat, sodass keine Luft mehr ausströmen kann. Nun öffnest du die obere Verschlusskappe des Ventils. Den endgültigen Luftdruck erzeugst du entweder mit einer kleinen Handpumpe (optionales Zubehör) oder mit dem Mund. Beide Varianten funktionieren sehr gut. Der Rückschlag im Ventil sorgt dafür, dass auch bei offenem Ventil keine Luft entweichen kann. Obwohl wir mit unserer Lunge Packrafts einen guten Enddruck herstellen können, bekommt man das Packraft mit der kleinen Anfibio Handpumpe noch formstabiler aufgepumpt. 

Verwendung des Blasesacks
Verwendung der Handpumpe
Erzeugen des endgültigen Luftdrucks mit dem Mund

Das Sitzkissen und die Rückenlehne werden separat über ein Mundventil aufgepustet. Das Sitzkissen befindet sich bereits im Packraft und lässt sich nicht ohne Weiteres aus dem Packraft nehmen, da die beiden Seiten mit einer Schnur an einem Beschlag an der Seitenwand eingefädelt und verknotet sind. Die Rückenlehne lässt sich hingegen einfach herausnehmen und von der Position minimal variieren. Beide Sitzelemente sind fest im Boot montiert, sodass beide Sitzelemente auf dem Wasser nicht verrutschen sollten.

Die Position der Rückenlehne ist bei anderen Packrafts (z.B. Alpacka, Kokopelli oder Mekong) variabel verstellbar und unserer Meinung nach besser gelöst. Dort gibt es eine Art Rückenband, das sich deutlich stärker varieren lässt. Die Rückenlehne bleibt beim Alligator weitestgehend fix. Der Innenraum kann je nach Körpergröße mit einer optional erhältlichen Fußstütze angepasst werden oder man paddelt mit den mitgelieferten Schenkelgurten, sodass man einen guten Halt beim Paddeln hat.

Im Vergleich zum Rückenband anderer Packrafts bietet die MRS Rückenlehne dafür mehr Komfort. Hier zeigt sich, dass das Alligator 2S nicht ausschließlich für den Wildwassereinsatz (wofür ein Rückenband besser ist) konzipiert ist, sondern auch für gemütliche Touren auf ruhigen Flüssen und Seen ausgelegt ist.

Sitzkissen des Alligator 2S
Rückenlehne
Verdeck mit Klett für einen besseren Halt der Spritzschürze

Eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale eines Wildwasser-tauglichen Packrafts ist das Verdeck mit dem Süllrand, wo die Spritzschürze befestigt wird. Der Süllrand des Alligator 2S wird mit dem mitgelieferten Süllrandgestänge ausgesteift, welches aus vier Elementen besteht. Auf der linken und rechten Seite des Süllrands gibt es jeweils einen Reißverschluss, den du für das Einschieben der Gestänge öffnest. Dort schiebst du die weißen Plastikschläuche vorne und hinten ein und verbindest sie mit den Metallstangen an jeder Seite. Dadurch ist der Süllrand ausgesteift und die Reißverschlüsse können wieder verschlossen werden. Ein sehr ähnliches Konzept haben auch Alpacka Packrafts. Die Montage des Süllrandes ist sehr einfach und du erhältst einen wirklich vollwertigen Süllrand, woran sich ohne Probleme eine Spritzschürze befestigen lassen sollte.

Zusammenstecken der Süllrand-Gestänge

Da die Schenkelgurte bereits im Lieferumfang enthalten sind, sind auch die Halterungen für die Schenkelgurte im Boot bereits montiert. Über diese Halteschlaufen lassen sich die Schenkelgurte je nach Bedarf ein- und ausbauen. Das funktioniert am besten, wenn das Packraft noch nicht ganz aufgepumpt ist. Die Schenkelgurte sind gepolstert und werden mit den Halterungen an den Seitenwänden des Packrafts befestigt. Der mittlere Riemen lässt sich an mehreren Stellen einhängen, wobei die Position abhängig von der eigenen Körpergröße und Sitzposition im Boot ist. 

Befestigter Schenkelgurt

Insgesamt wirkt das Alligator 2S sehr hochwertig verarbeitet und weist Materialstärken sowie Beschichtungen auf, die für ein Wildwasser Packraft üblich sind. Die Verbindungsstellen am roten Seitenschlauch sind sauber miteinander vernäht und nahtbandüberschweißt. Der Seitenschlauch ist zusätzlich unten großzügig mit der Bodenplane überklebt, sodass dieser Überstand zusätzlich vor unschönen Grundberührungen im Wasser geschützt ist. Der Seitenschlauch besteht aus einem 210-Denier Nylon mit einseitiger Urethan-Beschichtung (also „nur“ von Außen, was das Material im Vergleich zu einer beidseitigen Beschichtung „elastischer“ und somit reißfester macht) und der Boden aus einem deutlich stärkeren 840-Denier Nylon mit beidseitiger Urethan-Beschichtung, der deutlich mehr wegstecken muss.

Boden des Alligator 2S
Überstand der Bodenplane

Erfahrungen auf dem Wasser

Sofern die Schenkelgurte montiert sind, eignen sie sich gut als Tragegriffe zum Transport zur Wasserstelle. Ansonsten muss der Süllrand herhalten, da es keine Tragegriffe am Packraft gibt. Ist das Packraft jedoch mit Gepäck beladen, empfehlen wir das Raft mit dem Seitenschlauch auf die Schulter zu legen, um die Verschweißung zwischen Verdeck und Schlauch nicht unnötig zu belasten. Wer Gewicht sparen möchte und keine Spritzschürze auf seiner Tour verwendet, kann das Süllrand-Gestänge sowie die Spritzschürze Zuhause lassen und spart so knapp 1/2 kg an Gewicht und etwas Platz im Rucksack. Auch ohne dem Süllrand-Gestänge ist das Verdeck schön straff und hängt nicht durch.

Mit dem Alligator 2S auf ruhigem Gewässer

Wer das Packraft auf Seen oder ruhigen Flüssen paddelt, sollte unserer Meinung nach gleich eine Tiefwasserfinne dazu kaufen. Diese passt in die Finnehalterung am Boden und verbessert spürbar den Geradeauslauf des Packrafts. Ohne Finne ist das Alligator 2S wie andere Packrafts sehr drehfreudig, sodass kräftige Paddelschläge vermieden werden sollten. Mit der Tiefwasserfinne sind kräftige Paddelschläge durchaus möglich, sodass man mit dem Alligator 2S zügiger vorankommt. Der Unterschied ist im direkten Vergleich deutlich spürbar.

Die Finnenhalterung mit der optionalen Tiefwasserfinne verbessert spürbar den Geradeauslauf

Der Sitzkomfort gefällt uns sehr gut und ist besser als der Durchschnitt der Packrafts, die wir bisher getestet haben. Die Rückenlehne verleiht zudem ausreichend Halt für den unteren Rücken des Paddlers. Das Sitzkissen bietet eine gute Sitzhöhe, sodass man eine gute Position zum Paddeln hat und auch bei Wasser im Bootsraum nicht im Nassen sitzt. Auf mehreren Touren ist uns die Luft aus dem Sitzkissen komplett entwichen. Nach erneutem Aufpusten hielt dann die Luft im Sitz. Hier scheint bei unserem Modell das Ventil im Ventilschlauch nicht richtig verklebt zu sein, sodass hin und wieder eine Undichtigkeit auftritt.

Dennoch ist zu erwähnen, dass man aufgrund des engeren Innenraumes im MRS Alligator 2S deutlich sportlicher als in einem Anfibio Delta MX oder nortik TrekRaft sitzt. Das könnte für kräftige Personen deutlich zu eng sein. Für Wildwasserpaddler ist diese Passform genau richtig, um maximal mit dem Boot verbunden zu sein. Die Beinfreiheit ist insgesamt für solch ein Packraft gut. Wir (189 und 186 cm) hatten genügend Platz. Mit Wanderschuhen wird es jedoch aufgrund der geschlossenen Bauform schnell eng. Einen größeren Innenraum bietet das MRS Alligator 2S Pro XXL.

Mit dem Alligator 2S im Wildwasser

Im Wildwasser ist auch bei unserer Größe die Fußstütze eine sinnvolle Ergänzung, um einen sauberen Paddelschlag ausführen zu können. In Kombination mit den mitgelieferten Schenkelgurten hast du noch mehr Halt und maximale Kontrolle übers Boot, z.B. beim Ankanten im Wildwasser. Die Schenkelgurte sind eine sehr hilfreiche Ausstattung ab Wildwasserstufe 3. Die montierten Schenkelgurte lassen sich mühelos im Boot sehr einfach nachjustieren und pro Gurt an drei Punkten so einstellen, dass dieser gut sitzt und nicht drückt.

Transport des Packrafts auf der Schulter 
Anbringung der Spritzschürze
Mit dem Alligator 2S in der Rheinschlucht

Das Wildwasserverdeck mit ausgesteiftem Süllrand hat uns richtig gut gefallen. Die mitgelieferte Spritzschürze lässt sich mühelos an den Süllrand befestigen. Auf dem Wildwasserverdeck gibt es je Seite im hinteren Bereich der Sitzluke einen kleinen Klettstreifen, wo die Spritzschürze zusätzlichen Halt findet. Das ist vor allem für Anfänger eine gute Erleichterung, um die Spritzdecke schneller aufzuziehen, sodass sie beim Aufziehen nicht wieder abrutscht. Einziger Nachteil des Klettverschlusses ist, dass der Klettstreifen am Rand der Spritzschürze unschöne Fäden zieht und so die mitgelieferte Spritzschürze schneller verschleißt.

Sofern die Spritzschürze angebracht, sitzt sie fest am Verdeck und löste sich auf keines unserer Touren. Dennoch lässt sich die Spritzschürze (mit Klettverschluss befestigt) bei einer Kenterung leicht abziehen, sodass man schnell aus das Packraft aussteigen kann. Ein Wiedereinstieg ist ins Alligator 2S ist auch mit voller Montur und in starker Strömung mit etwas Fitness kein Problem, da das Boot eine hohe Kippstabiltät besitzt.

Mit MRS Alligator 2S auf der Loisach bei Garmisch

Aus unserer Sicht ist das MRS Alligator 2S nicht nur aufgrund des Materials und Ausstattung sondern auch wegen seiner Rumpfform sehr gut fürs Wildwasser-Packrafting geeignet. Es ist stabil und agil zugleich, was das Ein- und Ausfahren von schwierigem Kehrwasser erleichtert. Es hat zum Beispiel ein spürbar besseres Fahrverhalten im Wildwasser als ein nortik TrekRaft. Obwohl es eine ähnliche Kippstabilität hat, lässt es sich technischer paddeln. 

Der robuste Boden schützt den Seitenschlauch vor unschönen Grundberührungen und Kratzern.

Im Wildwasser wird ein Packraft prinzpiell deutlich mehr beansprucht. Nach intensiver Nutzung des Packrafts, mit unzähligen unschönen Grundberührungen, ist die Bootshaut noch gut intakt. Es sind einige oberflächliche Kratzer zu sehen, die jedoch absolut unkritisch sind. Es gibt einen tieferen und spürbaren Kratzer im Boden des Packrafts. Hier zeigt sich der Vorteil, wenn der Boden einen deutlichen Überstand hat und den Seitenschlauch zusätzlich vor Grundberührungen schützt. Wäre dieser Überstand nicht, wäre der Kratzer im 210d Seitenschlauch. Dieser ist jedoch hier zusätzlich mit der 840d Bodenplane geschützt, sodass die Gefahr deiner Beschädigung des Seitenschlauches deutlich minimiert wird.

Bikerafting mit dem Alligator 2S

An sich ist nahezu jedes Packraft fürs Bikerafting geeignet. Dennoch hat es uns interessiert, wie gut sich das MRS Alligator 2S in diesem Bereich schlägt.

Das MRS Packraft ist noch kompakt und leicht genug, um es mit zwei Packriemen direkt an der Lenkerstange des Fahrrads zu befestigen. So spart man sich das Gewicht auf dem Rücken. Das Anbringen des Rafts als auch das Radfahren mit dem Raft an der Lenkerstange haben sehr gut funktioniert. Es störte weder beim Lenken noch beim Federn (am Ende abhängig von der Geometrie des Fahrrads. Getestet wurde mit einem Canyon Pathlite 6).

Für die Strecke auf dem Wasser wird das Rad nach dem Aufbau des Packrafts auf dem Bug des Alligators befestigt. Dafür eignen sich die vier Halteschlaufen am Bug sehr gut, um erst den Rahmen und dann die beiden Laufräder zu befestigen. Wir empfehlen beide Laufräder rauszunehmen, um ein möglichst kleines Packmaß zu erhalten und noch genügend Platz für den Paddelschlag zu haben.

Mit Mountainbike und Packraft an der Isar, nahe München
Das Fahrrad sicher auf dem Bug befestigt
Bikerafting mit dem MRS Alligator 2S

Der sonst moderat hochgezogene Bug mit seiner spitzen Nase sinkt nun durch die hohe Beladung leicht ab und bildet eine ausgewogene Trimmung im Wasser. Auch mit Fahrrad bleibt das Alligator 2S ein wendiges und kippstabiles Packraft. Durch das Verdeck ist der Innenraum nicht eingeengt, sodass der gewohnte Platz im Fußraum erhalten bleibt. Anders ist hingegen der Platz für die Ausführung des Paddelschlags. Wer häufig Bikerafting geht, könnte von einem größeren Bug eines anderen Packraftmodells (z.B. Mekong Pablo Whisky Bar in Größe L, Itiwit Packraft, Alpacka Caribou, MRS Nomad, …) profitieren.

Abbau des Bootes

Das Packraft ist wie bei Packrafts üblich sehr schnell abgebaut und leicht im Rucksack verstaut. Es ist kein Problem das Packraft in das ursprünglich Packmaß zu bekommen. Dafür schraubst du das Ventil aus dem Gewinde und drückst die Luft aus dem Raft. Danach legst du die Seiten längs übereinander und rollst es vom Bug zum Heck auf, sodass die restliche Luft aus der Ventilöffnung entweichen kann. Anschließend legst du den Packriemen um und ziehst diesen straff, damit das Packraft nicht wieder auseinander rollt. 

Beim Abbau solltest du zudem darauf achten, dass das obere Ventilsegment nicht abhanden kommt, denn dieses ist nur über einen Plastikring am Hauptventil befestigt, der uns öfters vom Hauptventil runtergerutscht ist.

Die Trocknung des Packraft funktioniert denkbar einfach, da sich die Bootshaut und das Verdeck mit einem Handtuch einfach trockenwischen lassen. Ärgerlich ist, dass sich das Sitzkissen nicht einfach herausnehmen lässt oder zumindest vom Material (nahezu identisch mit den Sitzen von nortik, Anfibio und Alpacka Packrafts) sich nicht mal schnell trocken wischen lässt. Es bleibt eine gewisse Grundfeuchtigkeit im Material. Vor allem auf einer langen Paddeltour ist Wasser im Bootsinneren durch Spritzwasser und den mehrfachen Einstieg mit nassen Füßen oder Schuhen unvermeidbar. Dieses Wasser sammelt sich im Schwerpunkt des Rafts (also unter dem Sitz), sodass der Sitz nach langen Touren durchnässt ist. Also muss man nach jeder langen Paddeltour das Packraft nochmal Zuhause auspacken und trocknen. 

Das Packraft lässt sich wieder leicht zusammenlegen und -rollen.

Stärken und Schwächen

Aus unserer Sicht ist die größte Stärke des MRS Alligator 2S die Ausgewogenheit zwischen Kippstabilität, Agilität und Geradeauslauf (bei Nutzung einer Tiefwasserfinne). Im Wildwasser bietet das Alligator trotz hoher Kippstabilität eine gute Agilität, um z.B. Kehrwasser leicht ein- und auszufahren oder anzukanten. Im Zahmwasser und auf kleinen Seen ist die Finnenhalterung mit der Option einer Tiefwasserfinne ein echter Mehrwehrt, um einen guten Geradeauslauf (für ein Packraft) zu erhalten. Der Bootskörper ist hochwertig verarbeitet, das Material ist robust, der sensiblere Seitenschlauch (üblich bei Packrafts) zusätzlich durch den Boden geschützt und das trotz eines geringen Gewichts und kleinen Packmaßes. Sehr gut gefiel uns ebenfalls der ausgesteifte Süllrand.

Schwächen lassen sich nur im Detail feststellen

Schwächen lassen sich nur in den Details ausfindig machen. Das Sitzkissen sollte herausnehmbar sein, um es separat trocknen zu können. Ein Rückschlag beim Aufpumpen mit Luftsack würde das Aufpumpen noch effizienter machen.

Das hat uns gefallen

+ hochwertige Verarbeitung + robuste Bootshaut + hochwertiger Finnenbeschlag (mit Tiefwasserfinne spürbar besserer Geradeauslauf) + leicht und kompaktes Packmaß in Anbetracht der Ausstattung und Performance + bequeme Sitzposition + einfacher Wiedereinstieg aus dem Wasser + sehr kippstabil + verzeiht im Wildwasser viele Fehler + sehr gut ausgesteifter Süllrand + enge und sportliche Passform (ideal für das Paddeln im Wildwasser) + lässt sich optional mit einer Fußstütze ausstatten + robuster Boden, der auch die Seitenschläuche von unten ausreichend schützt + gute Schenkelgurte inklusive + Zubehör und Ersatzteile erhältlich + 3 Jahre Garantie auf Material und Verarbeitung

Das hat uns weniger gefallen

- sportliche Passform / Innenraum ist für kräftige Paddler zu eng - einfache Ventilausführung für diese Preisklasse (einfach, funktional und robust aber Ventilöffnung für Blasesack hat keinen Rückschlag und oberes Ventilstück kann schnell abhanden kommen) - Sitzkissen nur sehr umständlich herauszunehmen (dadurch längere Trocknungszeit, vor allem nach Einsatz im Wildwasser) - nicht intaktes Ventil des Sitzkissens bei unserem Modell führt dazu, dass ab und zu die Luft entweicht - kleine Personen sind auf die optionale Fußstütze angewiesen - Sitzposition lässt sich nur begrenzt variieren (ggf. optionale Fußstütze oder mitgelieferte Schenkelgurte notwendig)

Update zur Sitzbefestigung
Beim neuen Modell (ab Frühjahr 2021) wurde die Sitzbefestigung geändert. Statt eine dünne Schnur durch mehrere Löcher durchzufädeln zu müssen, gibt es eine dickere Schnur, die durch eine Art Daisy Chain gerade durchgezogen und an den Enden verknotet wird.

MRS Alligator 2S

Fazit zum Boot

Das MRS Alligator 2S ist ein sehr solides und sportliches Packraft mit einem breiten Einsatzsprektrum. Wer ein kompaktes Packraft mit einer hohen Stabilität und Agilität für das Paddeln im Zahmwasser und Wildwasser sucht, trifft mit dem Alligator 2S eine gute Wahl. 

Einerseits ist es noch leicht und kompakt genug, um es auf mehrtägigen Pack- oder Bikerafting-Touren mitzunehmen. Mit der optionalen Tiefwasser-Finne und dem spitzen langgezogenen Heck lassen sich ruhige Flüsse und Seen effektiver als mit anderen Packrafts ohne Finne paddeln. Andererseits bietet es mit seinem Wildwasserverdeck einen optimalen Spritzwasserschutz sowie mit der engen Passform und den mitgelieferten Schenkelgurten (ggf. mit der optionalen Fußstütze) einen sehr guten Halt und viel Kontrolle im Wildwasser.

Der Preis ist hoch, für ein vollwertiges Wildwasser Packraft jedoch marktüblich. Wer auf das Internal Storage System verzichtet, kann den Preis nochmal ordentlich drücken und erhält somit ein robustes sowie dennoch gut ausgestattetes Packraft für das Wildwasser. Aus unserer Erfahrung ist ein Gepäckfach im Schlauch mit luft- und wasserdichtem Reißverschluss sehr praktisch, aber nur für Mehrtagestouren ein Must-Have Feature. Auf Tagestouren kommt man auch sehr gut ohne aus. 

Alle getesteten Packrafts im Überblick!

Geeignetes Zubehör

Im Lieferumfang des Bootes ist folgendes Zubehör enthalten:
  • Packriemen
  • Blasesack
  • Spritzschürze
  • Schenkelgurte
  • Reparaturmaterial
  • Flachwasserfinne
Zusätzlich empfehlen wir folgendes Zubehör:
  • Doppelpaddel: TNP Rapa Carbon Doppelpaddel 200-210 cm (leichtes und sehr hochwertiges Wildwasserpaddel, auch für Seen und Zahmwasser geeignet, in der Länge und im Drehwinkel stufenlos verstellbar, sehr kompakt, so gut wie kein Spiel in den Steckverbindungen nach intensiver Nutzung obwohl 4-teilig)
  • Schwimmweste: NRS Oso* (sehr gut verarbeitete und bequeme Schwimmweste, ausreichender Auftrieb für Wildwasser bei kompaktem Packmaß, in unterschiedlichen Größen erhältlich, Passform über zahlreiche Gurte einstellbar, einfaches An- und Ausziehen mittels Frontreißverschluss, zwei Taschen und eine Halterung für Flußmesser) oder Anfibio Buoy Boy (sehr leichte und kompakte aufblasbare Schwimmweste mit zwei separaten Luftkammern und Netztaschen sowie Schrittgurt, in unterschiedlichen Größen erhältlich)
  • Transportrucksack: Ortlieb Gear Pack 40 Liter* (hochwertiger und wasserdichter Wanderrucksack, gutes Tragesystem, bietet genug Platz fürs Packrafting, Schulter- und Hüftgurt lassen sich abnehmen, große Außentaschen ideal für das Verstauen eines Doppelpaddels) oder Hiko Rucksack 40 Liter* (günstige Alternative, wasserdicht)
  • Handpumpe: Anfibio Handpumpe (ermöglicht höheren Luftdruck als bei allgemein bei Packrafts üblich, Aufpusten des Packrafts mit dem Mund nicht mehr notwendig)
  • Dry Bag: Anfibio Deckpack 20 Liter (wasserdichte Reißverschlusstasche als Bugtasche fürs Packraft) oder Itiwit Packsack 30 Liter* (z.B. wasserdicht, robust, leicht und gut verarbeitet, mit einfachem Rucksacktragesystem)

Alternativen zum MRS Alligator

Abhängig von deinem primären Einsatzgebiet gibt es neben des Alligator 2S interessante Packrafts, die sogar noch besser passen könnten, insbesondere die kein oder nur selten Wildwasser paddeln. 

MRS Alligator 2S (links) und MRS Nomad S1 (rechts)

Anfibio Rebel 2K

Wer nur gelegentlich im Wildwasser unterwegs ist und Packrafttouren mit einem hohen Wanderteil unternehmen möchte, sollte sich auch das Anfibio Rebel 2K anschauen. Das Rebel 2K ist ein ultraleichtes Packraft mit Verdeck, welches nicht mal 2,5 kg wiegt.  Dennoch bietet es ähnliche Ausstattungsmerkmale (vollwertiger Sitz, Gepäckfach Option, Verdeck, Finne, …). 

 

MRS Nomad

Das Nomad geht stark in die Richtung eines Schlauchkajaks. Herkömmliche Packrafts haben eine Länge von 230 – 260 cm. Das Nomad S1 ist mit einer Länge von 295 cm insgesamt 39 cm länger als das Alligator 2S. Diesen Unterschied spürt man auf dem Wasser. 

Für Wildwasser und Packraftingtouren mit hohem Wanderanteil empfehlen wir klar das kompaktere und günstigere Alligator 2S. Insbesondere im Wildwasser reagiert das Alligator schneller, liegt sicherer in Stromschnellen sowie Verschneidungszonen und ermöglicht einen leichteren Wiedereinstieg aus dem Wasser.

Wer jedoch ein Packraft mit noch besseren Laufeigenschaften fürs Zahmwasser und Seen sucht, liegt beim Nomad S1 genau richtig. Es ist das ideale Packraft für Paddler, die damit hauptsächlich nur Paddeln gehen möchten und gleichzeitig auf die Kompaktheit eines Packrafts nicht verzichten möchten oder Packraftingtouren unternehmen, die einen deutlich höheren Paddelanteil haben.

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