Itiwit 100 Packraft Test

Vor nicht allzu langer Zeit ist Decathlon mit dem Itiwit Packraft 500 im Packrafting Segment eingestiegen. Nun ist mit dem Itiwit Packraft 100 ein weiteres Modell erschienen, welches sich sowohl preislich als auch von Ausstattung stärker an Einsteiger richtet. In diesen Testbericht erfahrt ihr, was das neue Packraft von Decathlon zu bieten hat und welche Erfahrungen wir mit dem Boot bereits sammeln konnten.

itiwit packraft 100

Produktdaten

Max. Personenanzahl:
Länge:
Breite:
Max. Zuladung:
Packmaß:
Material:
Gewicht (Boot):
Gewicht (Komplett):
Produktionsland:

1
205 cm
95 cm
110 kg
25 x 40 cm
TPU/PU beschichtetes Nylon
1800 g
2000 g
China

Welches Modell wurde getestet?

Itiwit Packraft Adventure 100 aus dem Jahr 2022

Wie ist der Test entstanden?

Das Itiwit Packraft 100 haben wir uns selbst gekauft.

Wie intensiv wurde es getestet?

angetestet

sehr intensiv
1 Balken = 1-3 km gepaddelt (angetestet)
2 Balken = mind. 1 Tages-/ 2 Halbtagestouren
3 Balken = mind. 4 Touren
4 Balken = mind. 8 Touren
5 Balken = mind. 12 Touren (sehr intensiv)

Wo wurde es getestet?

Wildwasser

Ruhige Flüsse

Seen

Inhaltsverzeichnis

Ersteindruck und Aufbau

Das Packraft wird mit einer Transporttasche geliefert, welche nicht nur einen robusten Eindruck macht, sondern auch mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt. In ihr wird nämlich nicht nur das Packraft verstaut, sondern sie dient auch als Pumpsack für den Aufbau des Packrafts und auch als Packsack um Gepäck während der Tour zu verstauen. Dieses Konzept hat Itiwit bereits beim Adventure 500 angewendet, welches uns richtig gut gefällt.

Durch den Rollverschluss kann das Packraft platzsparend verstaut werden. Überschüssige Luft, die beim Einrollen des Verschlusses im Packsack verbleibt, kann anschließend über das Ventil an der Vorderseite der Tasche abgelassen werden. So ergibt sich ein sicher verpacktes Packraft in einem maximal komprimierten Zustand.

Das Packraft befindet sich in der mitgelieferten Tasche

Neben des Packrafts befindet sich in der Transporttasche der Sitz, der Pumpschlauch und einige selbstklebende Reparaturflicken. Davon ist nichts in PVC-Folie oder einer Tüte zusätzlich verpackt. Das gefällt uns ziemlich gut, weil somit kein unnötiger Verpackungsabfall anfällt.

Am oberen Rand der Transporttasche befindet sich zudem die Aufbauanleitung des Packrafts eingenäht, die zusätzlich zur eigentlichen Bedienungsanleitung als praktische Kurzanleitung für unterwegs dient.

Im Transportsack befindet sich das Packraft, der Sitz und Schlauch sowie ein Reperaturkit
Zusammengerolltes Packraft
Kurzanleitung am Transportsack

Decathlon wirbt mit dem leichten Gewichts des Packrafts und gibt ein Gesamtgewicht von 2kg an. Da gerade beim Packrafting das Gewicht eine wichtige Rolle spielt, haben wir die Einzelteile nachgewogen. Das Packraft selbst wiegt 1630 g, der Sitz 300 g, der Pumpsack 290 g und der Pumpschlauch 60 g. Das ergibt ein Gesamtgewicht von 2280 g und liegt damit etwas über das angegebene Gesamtgewicht 2 kg seitens Decathlon. Aber auch ca. 2,3 kg Gesamtgewicht ist für ein Packraft nicht viel. Allerdings wiegt der Pumpsack mit Pumpschlauch mehr als übliche Blasesäcke von Packrafts anderer Hersteller. Durch die Multifunktionalität des Pumpsacks und der einfachen Handhabung als Pumpe finden wir dieses zusätzliche Gewicht aber völlig in Ordnung.

Der Aufbau des Packrafts ist denkbar einfach und dank des ausgeklügelten Pumpsacks gestaltet es sich beim Itiwit Packraft auch für Anfänger nochmal um einiges leichter.

Zunächst musst du das Packraft ausfalten. Dabei ist es bei aufblasbaren Booten üblich, dass ein Kompressionsgurt um das Boot geschnürt ist, damit es sich nicht von alleine ausrollt und am Ende auch wieder einfacher verstauen lässt. Beim Itiwit Packraft wurde kein zusätzlicher Kompressionsgurt verwendet, sondern der Riemen, der später für die Sitzbefestigung dient, wird auch als Kompressionsgurt verwendet. Das ist zwar nur ein kleines Detail, aber ziemlich gut durchdacht. Das eingesparte Gewicht ist dabei zu vernachlässigen. Der wirkliche Vorteil bei dieser Umsetzung ist, das du den Riemen dadurch nicht verlieren kannst, da er fest am Boot befestigt ist.

Aufbau des Packrafts mit dem Pumpsack

Üblicherweise wird ein Packraft mit einem Blasesack aufgepumpt, da dieser sehr leicht und kompakt ist. Eine Luftpumpe wäre für ein Packraft denkbar unpraktisch, weil sie von der Größe schnell das Packmaß des Packrafts überschreiten würde. Der Nachteil eines Blasesacks besteht lediglich darin, dass das Aufpumpen mit ihm etwas Übung und Gewohnheit erfordert. So tun sich Anfänger oftmals etwas schwer ein Packraft effizient mit einem Blasesack mit Luft zu befüllen.

Itiwit hat sich bei seinen Packrafts einen guten Kompromiss zwischen Blasesack und Luftpumpe ausgedacht. Die Transporttasche dient nämlich beim Aufbau als Pumpsack. Dafür öffnest du das Ventil unten an der Transporttasche und steckst den mitgelieferten Pumpschlauch auf. Das andere Ende des Pumpschlauchs wird auf das Ventil des Packrafts gesteckt.

Dank des Luftschlauchs lässt sich der Pumpsack auf den Boden stellen und wie eine Handpumpe verwenden. Hierbei stützt du dich einfach auf den luftgefüllten Pumpsack und pumpst somit Luft ins Packraft. Du rollst den Pumpsack immer wieder etwas ein, damit ein ausreichend hoher Luftdruck im Pumpsack erzeugt wird, den du im Boot stoßen kannst.

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Diesen Pumpvorgang wiederholst du mehrere Male, genauer gesagt laut Bedienungsanleitung „10 – 12 Mal bis der Pumpsack es nicht mehr ermöglicht“. Üblicherweise erzeugt man bei Packrafts (auch bei solchen Boston-Ventilen) den endgültigen Luftdruck mit dem Mund oder mit einer separaten kleinen Handpumpe. Wir verwenden dafür den Itiwit Pumpsack und üben kleine ruckartige Stöße auf den Pumpsack aus, um den Luftschlauch des Packraft schön straff zu bekommen. Es ist also aus unserer Sicht nicht zwingend notwendig wie bei anderen Packraft mit dem Mund oder mit einer kleinen separaten Handpumpe den endgültigen Luftdruck zu erzeugen. Hier solltest du aufpassen, dass du keinen Überdruck erzeugst, weil sonst Materialschäden entstehen können.

Wir empfehlen deswegen beim ersten Aufbau den endgültigen Luftdruck mit dem Mund bzw. mit der eigenen Puste zu erzeugen, weil du so keinen Überdruck erzeugen wirst. Greife dann in den Luftschlauch, um ein Gefühl zu bekommen, wie sich das Packraft mit dem richtigen Luftdruck anfühlt. Diese Festigkeit kannst du bei späteren Aufbaus als Anhaltspunkt nehmen, wenn du den endgültigen Luftdruck mit dem Pumpsack erzeugen willst.

Die Unterseite des Pumpsacks ist deutlich robuster als ein üblicher Blasesack vieler anderer Packrafts, sodass du ihn auch auf den Boden stellen kannst ohne ihn zu beschädigen.

Sowohl das Ventil des Packrafts als auch des Sitzkissens sind hochwertig. Beide Ventile besitzen einen Rückschlag, sodass beim Aufpumpen die Luft nicht entweichen kann.

Das Ventil macht einen hochwertigen Eindruck

Nachdem du das Packraft und das Sitzkissen (mit dem Mund oder 1-2 Stöße mit dem Pumpsack) aufgepumpt hast, positionierst du den Sitz im Boot. Wenn das Packraft und der Sitz straff aufgepumpt sind, sitzt das Sitzkissen im Packraft ziemlich fest. Befestigt wird der Sitz über eine Schlaufe an der Sitzunterseite mit Hilfe des Riemens am Boot. Stelle sicher, dass du den Riemen gut straff ziehst, damit der Sitz auch beim Paddeln nicht verrutschen kann.

Der Sitz wird mit einem Riemen am Boot befestigt

Im Vergleich zu vielen anderen Packrafts besteht der Sitz nur aus einem Sitzkissen und kommt ohne Rückenlehne aus. Dadurch dass das Sitzkissen soweit hinten im Innenraum des Bootes platziert wird, kannst du dich am Schlauch anlehnen. Weil das Packraft keine verstellbare Rückenlehne hat, musst du berücksichtigen, dass die Sitzposition nicht individuell eingestellt werden kann. Wie gut das in der Praxis funktioniert und wie angenehm der Sitzkomfort ist, erfahrt ihr im Abschnitt zu den Erfahrungen auf dem Wasser.

Als Rückenlehne dient der Luftschlauch des Bootes

Bezüglich der Verarbeitung macht das Packraft für ein Einsteigermodell einen sehr guten Eindruck. Hier wurde definitiv nicht gespart und das Boot ist mindestens genauso gut verarbeitet wie das Itiwit Packraft Adventure 500. Wir konnten keine Schwachstellen oder Mängel bei der Verarbeitung bei unserem Exemplar feststellen. Auch das Material der Bootshaut fässt sich wertig sowie robust an und rundet den hochwertigen Ersteindruck des Packrafts ab.

Das Packraft selbst besteht aus einem beschichtetem Gewebematerial aus Nylon. Dabei hat das Gewebematerial im Boden eine Materialstärke von 420d (= Denier) und im Seitenschlauch von 210d. Das sind typische Werte bei Packrafts in diesen Segment. Die Außenseite des Seitenschlauchs und die Außen- und Innenseite des Bodens sind mit TPU (thermoplastisches Polyurethan) beschichtet, was eine hohe Abriebfestigkeit besitzt und auch bei anderen Marken von Packraft zum Einsatz kommt.

Die Innenseite des Seitenschlauches, die nicht zugänglich ist, ist mit einer PU Beschichtung versehen. Falls tiefere Kratzer die Außenbeschichtung beschädigen, ist der Schlauch aufgrund der zweiten inneren Beschichtung dennoch wasser- und luftdicht und muss nicht geflickt werden. Andere Hersteller (z.B. Anfibio, MRS, Alpacka) verzichten jedoch auf diese innere Beschichtung, um die Elastizität des Trägermaterials (welches aus Nylon oder Polyester) zu bewahren und somit eine höhere Reißfestigkeit des Materials zu erzielen.

Sowohl vom Material als auch von der Verarbeitung überzeugt das Packraft

Bei einigen Packrafts ist es üblich, dass der Unterboden den Seitenschlauch überlappt, um diesen zusätzlich vor Beschädigungen bei Grundberührungen zu schützen. Vor allem bei Packrafts für den Wildwassereinsatz ist dieses Konzept gängige Praxis. Da das Itiwit Packraft 100 jedoch eher in die Kategorie der Ultraleicht Packrafts fällt, ist es bei diesen Modell nachvollziehbar, dass Decathlon darauf verzichtet hat.

Unterboden des Itiwit Packraft 100

Packrafts gibt es als offene und als geschlossene (= mit Verdeck) Boote. Das Itiwit Packraft 100 ist ein offenes Packraft. Ein Verdeck dient ansonsten als Schutz vor Spritzschutz bzw. zur Anbringung einer Spritzschürze, um das Eindringen von Spritzwasser komplett zu verhindern und den Paddler zusätzlich vor Kälte zu schützen. Zudem lässt sich auf den meisten Verdecks einfach Gepäck anbringen. Auf diese Vorzüge musst du beim Itiwit Packraft 100 verzichten. Das Itiwit 100 von Decathlon zielt vor allem auf Einsteiger ab, die ein günstiges Packraft suchen und ein Verdeck würde den Preis (und auch das Gewicht) zusätzlich erhöhen. Außerdem können Freizeitpaddler, die mit dem Packraft vor allem bei gutem Wetter in ruhigeren und seichten Gewässern unterwegs sind, problemlos auf solch ein Verdeck verzichten. Daher ist auch diese Designumsetzung von Decathlon bei dem Packraft gut nachvollziehbar.

Das Packraft besitzt insgesamt 4 Tagegriffe (zwei am Bug und zwei am Heck). Ob bei einer Kenterung, beim Heranziehen des Packrafts ans Land, bei Umtragungen zu zweit auf Flusstouren oder wenn man das Boot alleine zu Wasser auf der Schulter trägt, es gibt immer eine Möglichkeit das Packraft ordentlich zu greifen. Am Bug gibt es zusätzlich zwei weitere Schlaufen, um Gepäck auf dem Bug zu befestigen. Im Zusammenhang mit den zwei Tragegriffen funktioniert die Gepäckanbringung auf dem Bug sehr gut. Somit kannst du den Pumpsack, der auch als Packsack dient, dort sehr einfach anbringen. Daher kannst du auch ohne Verdeck etwas Gepäck mit dem Itiwit Packraft 100 transportieren.

Tragegriffe ermöglichen ein einfacheres Handling des Bootes

Erfahrungen auf dem Wasser

Das Itiwit Packraft 100 lässt sich gut alleine zu Wasser tragen. Dafür schulterst du das Packraft und kannst dabei einen der Tragegriffe auch als Hilfe nutzen. Alternativ kannst du das Packraft über den Seitenschlauch tragen. Wenn du das Packraft mit viel Gepäck beladen hast, empfiehlt es sich dennoch, das Packraft nah am Wasser aufzubauen. Falls du zu zweit bist, können beide Personen mit den Tragegriffen am Bug und Heck das Packraft sehr einfach tragen.

Das Packraft lässt sich alleine gut zu Wasser tragen

Der Innenraum des Itiwit Packrafts sieht auf den ersten Blick nicht sehr geräumig aus. Wir mit einer Körpergröße von 186 und 189 cm können auch ohne Schuhe nicht unsere Beine vollständig ausstrecken. Dennoch bietet das Packraft für uns genug Platz zum Sitzen. Dadurch dass es breiter geschnitten und der Luftschlauch weniger voluminös ist, kann man die Beine sehr gut anwinkeln und auch in dieser Position bequem über längere Zeit paddeln. Eine Fußstütze oder Schenkelgurte vermissen wir nicht, da aufgrund der Kürze des Packrafts man sich auch gut am Bug des Packrafts abstützen kann.

Allerdings paddeln wir im Sommer auch gerne mit unseren Neoprensocken. Wer mit Schuhen oder sogar Wanderschuhen paddelt, wird als großer Paddler sich sicher auf Dauer nach einem größeren Packraft sehnen. Auch wer es nicht mag mit stärker angewinkelten Beinen zu paddeln, wird beim größeren Bruder dem Itiwit Packraft Adventure 500 mehr Gefallen finden.

Trotz der kürzeren Länge bietet das Packraft genug Platz

Da das Itiwit Packraft 100 für die Gepäckverstauung nicht über einen T-Zip wie das Itiwit Packraft Adventure 500 verfügt, muss das Gepäck auf dem Boot selbst oder ggf. zwischen den Beinen verstaut werden. Das klappt aber sehr gut. Über die Tragegriffe und Schlaufen am Bug haben wir unseren Ortlieb Gearpack 40 L und einen kleinen Packsack angebracht. Während des Paddelns hat das überhaupt nicht gestört, da der Seitenschlauch des Bootes hoch genug ist und das Gepäck auf diesem aufliegt. Somit bleibt die Beinfreiheit völlig uneingeschränkt.

Von Decathlon wird für das Packraft der Itiwit Rucksack 30 L empfohlen. Dieser kann nicht nur sehr gut auf das Bug des Packrafts angebracht werden, sondern auch für den Transport des Packrafts ist er gut geeignet. Im Inneren des Rucksacks ist genug Platz um das Boot zu verstauen. Mithilfe der Seitenriemen kann auch das Paddel befestigt werden. Allerdings bevorzugen wir bei einem Packraft-Rucksack Netztaschen zur besseren Verstauung des Paddels.

Der Ortlieb Gearpack 40L findet problemlos Platz auf dem Bug
Itiwit Rucksack 30 L
Anbringung des Rucksack auf dem Bug

Der Packsack, der auch als Blasesack dient, kann ebenfalls am Bug befestigt werden. Da er aber nur über den Rollverschluss am Bug angebracht werden kann, hängt dieser dann im Bootsinneren. Das empfinden wir eher als unpraktisch, da dies die Beinfreiheit einschränkt. Um ihn auf dem Bug zu befestigen, fehlen weitere Befestigungspunkte am Packsack. Daher empfehlen wir einen Packrucksack wie den Ortlieb Gearpack oder den Itiwit Rucksack 30L, der über mehrere Befestigungspunkte verfügt, um ihn mit Hilfe der 4 Befestigungsschlaufen am Bug festzumachen.

Obwohl das Packraft keine Rückenlehne besitzt, empfinden wir den Sitzkomfort als sehr gut. Eine Rückenlehne vermissen wir also nicht. Man findet mit seinem unteren Rücken guten Halt am Luftschlauch. Auch die Sitzhöhe ist angenehm, sodass sich ein sauberer Paddelschlag ausführen lässt. Der Sitz bleibt außerdem beim Paddeln in seiner Position und verrutscht nicht.

Neben des Platzangebots und des Sitzkomforts sind natürlich die Fahreigenschaften des Bootes ein weiterer wichtiger Aspekt, auf den wir näher eingehen möchten. Wie viele Packrafts fühlt sich auch das Itiwit Packraft 100 besonders auf leicht fließenden Gewässer am wohlsten. Mit etwas Strömung kommt man mit weniger sowie etwas steileren Paddelschlägen gut voran und das Paddeln macht Spaß. Die Wendigkeit ist aufgrund der Kürze und Breite sehr gut und du navigierst auch durch engere Passagen oder an Hindernissen sicher und gut vorbei.

Auf stehenden Gewässern wie Seen zeigen sich die für Packraft üblichen Schwächen bei den Fahreigenschaften. Ein zu kräftiges Paddeln führt dazu, dass das Boot immer nach links und recht schwankt. Daher solltest du eher steiler und weniger kräftig paddeln, was aber dazu führt, dass du natürlich mit dem Packraft keine großen Geschwindigkeiten erreichst. 3 – 3,5 km/h ist eine realistische Durchschnittsgeschwindigkeit. Ab 3,5 km/h wird das Paddeln zu ineffizient, weil das Packraft zu stark nach links und rechts schwankt. Aufgrund der Kürze fällt es bei dem Itiwit Packraft 100 nochmal mehr auf, dass die Fahreigenschaften auf solchen Gewässern eher mäßig sind als beim Itiwit Packraft Adventure 500, welches etwas länger und schmaler designed ist. Wenn man zudem aufhört zu paddeln, driftet das Boot gleich nach links oder rechts weg. Es ist also sehr drehfreudig.

Das Wichtigste bei der Betrachtung der Fahreigenschaften beim Itiwit Packraft 100 sind aus unserer Sicht die eigenen Erwartungen und Anforderungen. Wenn ich mit solch einem kompakten Boot große Strecke zurücklegen möchte und dabei möglichst gute Geschwindigkeiten erwarte, werde ich enttäuscht sein. Dafür sind die meisten Packrafts nicht ausgelegt (abgesehen von Modellen wie das MRS Nomad S1).  Wenn ich mich aber vorrangig an ein solches kompaktes und leichtes Boot erfreue, welches ich ohne großen Aufwand überall mitnehmen kann, um stets die Möglichkeit zu haben eine kleine gemütliche Paddeltour zu unternehmen, dann werde ich mit dem Boot auch sehr glücklich. Dann ist es auch ok, wenn das Boot auf dem See langsam läuft. Du solltest also schon die Stärken eines Packrafts in erster Linie ausnutzen, um dich mit den Fahreigenschaften zu arrangieren. Idealerweise verbindest du eben auch das Wandern mit dem Paddeln, um von der Leichtigkeit und Kompaktheit des Packrafts zu profitieren.

Auf leicht fließendes Gewässer performt das Packraft gut

Auch für Paddelanfänger kann das Itiwit Packraft 100 eine gute Wahl sein. Es bietet nämlich eine hohe Kippstabilität. Der voluminöse Luftschlauch, der flache Boden und die hohe Rumpfbreite sorgen dafür, dass es sehr schwer ist mit dem Packraft zu kentern. Als Anfänger wirst du dich dank der hohen Kippstabilität und der guten Sitzposition im Packraft auf Anhieb sicher fühlen.

Wie bei offenen Packrafts üblich kommt Spritzwasser auf längeren Touren auf die Kleidung und in den Innenraum. Doppelpaddel mit Tropfringe schaffen hier etwas Abhilfe, aber halten nur einen Teil des Spritzwassers fern. So bietet es sich im Sommer an barfuß oder mit Neoprensocken und kurzer Hose zu paddeln. Da das Sitzkissen ziemlich hoch ist, brauchst du aber keine Sorge haben, dass du mit dem Gesäß schnell im Nassen sitzen wirst.

In der Nebensaison empfehlen wir dir zumindest eine Regenhose zu tragen oder besser einen richtigen Kälteschutz in Form eines Trockenanzugs.  Falls du häufig in der Nebensaison paddelst, könnte ein Packraft mit Verdeck besser zu dir passen (z.B. Anfibio Rebel 2Knortik TrekRaft Expedition). Denn ein Verdeck dient als Spritzwasser-, Regen- und Kälteschutz. Diesen Schutz kann dir das Itiwit Packraft 100 ohne Verdeck nicht bieten.

Nachrüstung einer Finne

Wir haben bereits erwähnt, dass das Packraft sehr drehfreudig ist. Um die Fahreigenschaften zu verbessern, ist gerade bei vielen aufblasbaren Kajaks der Einsatz einer oder mehrerer Finnen üblich. Für einige Packrafts wird sogar eine Finne zusätzlich angeboten. Das Itiwit Packraft 100 besitzt keine Finne und auch keine Vorrichtung, um solch eine Finne anzustecken. Allerdings lässt sich so etwas selbst nachrüsten. So gibt es z.B. im Packrafting-Store eine Finnenhalterung mit Finne, die auch am Itiwit Packraft angebracht werden kann.

Anbringung einer Finne

Wir haben uns entsprechend eine Finne mit Finnenhalterung gekauft und sie auf der Unterseite des Packrafts angebracht. Dabei wird die Halterung permanent mit einem 2-Komponenten-Kleber befestigt. Vor dem Einsatz auf dem Wasser wird die Finne dann einfach in die Halterung geschoben.

Eine Finne sorgt dafür, dass das Packraft weniger abdriftet

Bezüglich Geschwindigkeit oder Geradeauslauf beim Paddeln macht die Finne keinen bemerkbaren Unterschied. Jedoch macht sie bei der Drehfreudigkeit einen großen Unterschied, sobald man aufhört zu paddelt und sich treiben lässt. Ohne Finne driftet das Boot gleich zur Seite weg. Mit Finne bleibt das Boot in der Spur und gleitet weiter geradeaus. Da man auf dem Wasser nicht ständig paddelt, sondern auch mal kleine Pausen einlegt, um die Natur zu genießen, etwas zu trinken oder zu fotografieren, ist diese Verbesserung ein echter Pluspunkt. Daher empfehlen wir die Verwendung einer Finne bei dem Packraft wenn das Wasser ausreichend tief ist. Denn wenn du auf einem sehr flachen Fluss unterwegs bist, ist eine Finne eher hinderlich, da du damit stecken bleiben kannst.

Abbau des Bootes

Der Abbau des Itiwit Packrafts 100 ist wie bei Packrafts üblich einfach und schnell. Du schraubst beim Packraft das Ventil aus dem Gewinde und lässt die Luft ab. Ein Großteil der Luft entweicht bereits von alleine. Der Rest entweicht beim Zusammenlegen und -Rollen. Beim Sitz öffnest du das Ventil. Hier gibt es einen Druckknopf, den du eindrücken musst, um dann die Luft rausdrücken zu können. Theoretisch kannst den Sitz im Boot lassen und das Packraft so zusammenlegen. Wir nehmen ihn aber heraus und legen ihn separat in die Transporttasche.

Der Abbau des Packrafts ist schnell und unkompliziert

Lege erst das Packraft längs zusammen. Achte hier darauf, dass es nicht breiter als die Transporttasche ist. Danach kannst du das Packraft von vorne beginnend zum Heck zusammenrollen. Anschließend kannst du mit dem Riemen zur Sitzbefestigung am Heck, der auch als Kompressionsgurt dient, das Packraft etwas komprimieren. Dadurch rollt sich das Packraft nicht wieder von alleine aus.

Wenn das Packraft schmal zusammengelegt ist, passt es wunderbar in die Tragetasche samt Zubehör und lässt zum ursprünglichen Packmaß komprimieren.

Manchmal möchte man das Packraft einfach nur zum Auto transportieren und es Zuhause in Ruhe trocknen und zusammenlegen. Da die Transporttasche großzügig dimensioniert und durch ihren Rollverschluss von der Größe variierbar ist, ist es kein Problem, das Packraft auch in einem weniger gut komprimierten Zustand einzupacken. Die Transporttasche lässt sich wie ein herkömmlicher Packsack mit Rollverschluss oben verschließen und kann als Griff zum Transport verwendet werden.

Mit den Tragegriffen lässt sich das Packraft auch zusammengerollt gut tragen

Stärken und Schwächen

Die größte Stärke des Itiwit Packrafts 100 ist sein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, welches vor allem auch Einsteigern das Packrafting erschwinglich macht. Der einfache Aufbau dank des Pumpsacks ist ein weiterer Aspekt, woran Einsteiger sicherlich ihr Gefallen finden werden. Obwohl der Packraft günstig von Decathlon angeboten wird, muss man als Kunde keine Abstriche bei der Verarbeitung und dem Material hinnehmen. Das finden wir besonders gut. 

Große Schwächen konnten wir bei diesem Packraft nicht ausmachen. Bei dem Namen ultraleicht, womit Itiwit wirbt, darf man anmerken, dass hier durch den Pump-/Packsack und das Sitzkissen nicht das letzte Gramm an Gewicht gespart worden ist, um es wirklich so leicht wie möglich zu gestalten. Andere Hersteller wie Anfibio optimieren hier noch mehr bezüglich Gewicht.

Ohne Finne ist das Boot zudem sehr drehfreudig. Kaum hört man auf zu paddeln, dreht das Boot nach links oder rechts ab. Allerdings kann aber mit der Nachrüstung einer Finne Abhilfe geschaffen werden. Große Paddler sollten sich ebenfalls überlegen, ob ihnen das Platzangebot im Boot auf Dauer ausreichen wird.

Das hat uns gefallen

+ gut verarbeitet + sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis + sehr einfacher und schneller Aufbau durch den Pumpsack + Pump-/Blasesack als Transport und Trockensack verwendbar + ausreichend Trage- und Sicherheitsgriffe vorhanden + guter Sitzkomfort + sicheres Handling im ruhigen Gewässer (hohe Kippstabilität, hohes Sitzkisse, gute Wendigkeit) + selbstklebende Raparaturflicken inklusive

Das hat uns weniger gefallen

-überdurchschnittlich schwere Ausstattung für ein ultraleichtes Packraft (Sitzkissen und Pack-/Pumpsack) - ohne Finne sehr drehfreudig - bei Verwendung von Schuhen wenig Beinfreiheit für große Paddler auf Dauer - untere Seite des Schlauches ist wenig geschützt gegenüber hohen Beanspruchungen - fehlende Befestigungspunkte am Pump-/Blasesack

Fazit zum Boot

Mit dem Itiwit Packraft 100 hat Decathlon ein solides Einsteiger Packraft auf den Markt gebracht, was zu dem Preis seinesgleichen sucht. Wer bisher aufgrund der hohen Investitionskosten bei Packrafts einen großen Bogen gemacht hat, findet mit dem günstigen Itiwit Packraft genau das richtige Modell. Es ist auf das Wesentliche ohne große Features ausgerichtet, um den Preis gering zu halten. Zudem ist es mit ca. 2 kg Gesamtgewicht auch leicht und kompakt, um von den größten Vorteile eines Packrafts zu profitieren. Gerade weil Decathlon nicht beim Material und bei der Verarbeitung gespart hat, können wir das Boot den preisbewussten Einsteiger empfehlen.

Wer allerdings bereit ist auch etwas mehr in ein Packraft zu investieren, sollte sich definitiv auch andere Packrafts genauer anschauen und vergleichen, welches Boot die eigenen Anforderungen am ehesten gerecht wird. Für etwas mehr Geld gibt es von Itiwit das Packraft Adventure 500, welches zusätzlich über einen T-Zip zur Gepäckverstauung verfügt sowie mit einem Verdeck und Schenkelgurten ausgerüstet ist. 

Alle getesteten Packrafts im Überblick!

Geeignetes Zubehör

Im Lieferumfang des Bootes ist folgendes Zubehör enthalten:
  • Transporttasche (als Pump- und Trockensack verwendbar)
  • Pumpschlauch
  • Reperaturflicken
Zusätzlich empfehlen wir folgendes Zubehör:
  • Doppelpaddel: Im Decathlon Shop gibt es das Itiwit Doppelpaddel 4-teilig*, welches auch auf den Packrafting Fotos von Itiwit im Einsatz kommt. Wir haben das sehr günstige Doppelpaddel bereits getestet und können es leider nicht empfehlen (zu wackelig, schlechte Haptik, keine Tropfringe). Deutlich besser ist das Itiwit Doppelpaddel 2-teilig*, welches jedoch fürs Packrafting nicht kompakt genug und somit ungeeignet ist. Wir empfehlen stattdessen das Extasea Tour Vario Doppelpaddel 210-220cm* (gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Verarbeitung, geringes Gewicht und kleines Packmaß, 210cm ist eine übliche Paddellänge im Packrafting). Wir selbst paddeln das Itiwit Packraft mit unserem TNP Rapa Carbon Light 4-teilig 200-210cm (leicht und kompakt, sehr gute Verarbeitung, auch nach intensivem und häufigem Einsatz kein Spiel in den Steckverbindungen, aber auch deutlich teurer)
  • Schwimmweste: Unter den Itiwit Schwimmweste empfehlen wir entweder die Itiwit BA Pocket 50N* oder die Itiwit Wairo Hydra 50N* (zu beiden Schwimmwesten findest du einen ausführlichen Testbericht in unserem Artikel Itiwit Schwimmwesten). Aufgrund der kompakten Größe würden wir die Itiwit Wairo Hydra 50N in Kombination mit dem Itiwit Packraft bevorzugen. Was uns persönlich bei den Itiwit Schwimmwesten fehlt, sind reflektierende Elemente und eine Halterung für ein Kajakmesser (z.B. NRS Neko Blunt Knife). Deswegen paddeln auf großen Seen, im Fließgewässer und im Wildwasser mit der NRS Oso*.
  • Spanngurte: Forclaz Rucksackgurte* für die Befestigung von Gepäck und Ausrüstung, z.B. Fahrrad beim Packrafting (sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, gute Länge).
  • Wurfsack: Hiko Wurfsack 15m* (gutes Preis-Leistungs-Verhältnis) als Rettungsgegenstand, welches auf Packrafttouren in jedes Packraft gehört.
  • Dry Bag: Die Transporttasche kann als Dry Bag verwendet werden. Es empfiehlt sich dennoch einen zweiten kleinen Dry Bag für elektronische Geräte , da ein Rollverschluss nur bedingt wasserdicht ist (z.B. Itiwit Packsack 5L*)
  • Rucksack: Ein beliebter Rucksack für den Transport von Packraft und Ausrüstung ist der Hiko Rucksack 40L* (gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wasserdicht, gute Größe für Tagestouren, vorderes Netz ideal zum Verstauen des Doppelpaddels).

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