Sechs Tipps für die richtige Nutzung eines Schlauchbootes

Dieser Ratgeber Artikel erklärt Euch, was bei der Benutzung eines Schlauchbootes im Vergleich zu einem Festrumpfboot zu beachten ist. So muss nach dem Gebrauch im Salzwasser das Schlauchboot anders gereinigt werden als nach der Nutzung im Süßwasser. Auch darf die direkte Sonneneinstrahlung bei einem Schlauchboot nicht missachtet werden. Erfahrt im folgenden Artikel, worauf Ihr zu achten habt und wichtige Tipps, sodass Ihr lange was von Eurem Schlauchboot habt.

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Schlauchbooten auf dem Markt, von Schlauchkajaks und -kanus über Packrafts bis zu den klassischen Schlauchbooten, die man von den Badeseen kennt. Abgesehen von Tipp #6 (ausschließlich für Schlauchkajaks), beziehen sich unsere Tipps auf alle Schlauchboot Varianten, z.B. wie folgende Boote: 

Intex Challenger K2

Einsteiger 2 Personen Kajak

Intex Challenger K2 Produktbild

Gumotex Swing 2

Hochwertiges 2 Personen Kajak

 

gumotex swing boot tour

Intex Excursion 4

4 Personen Schlauchboot

Intex Excursion 4

Intex Challenger K2

Einsteiger 2 Personen Kajak

Intex Challenger K2 Produktbild

Gumotex Swing 2

Hochwertiges 2 Personen Kajak

 

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1. Den richtigen Luftdruck beim Schlauchboot beachten.

Jedes Schlauchboot hat einen maximal erlaubten Luftdruck, der nicht überschritten werden darf. Andersherum wirkt sich ein zu geringer Luftdruck negativ auf die Fahreigenschaften aus, da dann das Boot zu weich ist bzw. nicht die vorgesehene Steifigkeit erreicht wird. Deswegen sollte das Schlauchboot stets richtig aufgepumpt sein. Wenn Ihr keine Luftpumpe mit Manometer (Luftdruckmesser) habt, könnt ihr den Druck des Schlauchbootes mit einem separaten Manometer überprüfen. Einige Schlauchboote, wie von Sevylor (z.B. Sevylor Riviera) oder Intex (z.B. Intex Challenger K2, Intex Explorer K2), haben sogar eine Skala auf den Luftkammern aufgedruckt. Mit dem beigelegten Messstreifen lässt sich ohne Manometer überprüfen, ob zu wenig oder zu viel Luft auf den Kammern ist. Pumpt das Boot nie mit Pressluft auf.

Bei  vielen Schlauchbooten ist ein Druckabfall von 10% über den Tag völlig normal und weist auf keinen Defekt hin. Deswegen sollte man bei längeren Touren überprüfen, ob ein Nachpumpen erforderlich ist. Darüber hinaus kann ein großer Temperaturunterschied ebenfalls zum Druckabfall führen, was völlig normal ist. Das tritt dann auf, wenn die Umgebungstemperatur deutlich höher als die Wassertemperatur ist.  Das Boot wurde am Land aufgepumpt und danach ins Wasser gesetzt. Durch die niedrige Temperatur des Wassers kommt es zu einer Abnahme des Luftdrucks, insbesondere in der Bodenkammer.

 

Ein Luftpumpe mit Manometer zeigt beim Aufpumpen den Druck der Luftkammer an.

2. Die notwendige Reinigung eines Schlauchbootes nicht vergessen.

Nach dem Gebrauch sollte das Boot vor dem Einpacken immer grob gereinigt werden, damit Sand und kleine Steinchen die Bootshaut nicht beschädigen. Zuhause sollte das Boot ggf. gründlich gereinigt werden. Leitungswasser oder bei starken Verschmutzen lauwarmes Seifenwasser ist völlig ausreichend. Es sollten keine aggressiven Reinigungsmittel oder Verdünner verwendet werden. Falls im Salzwasser gerudert oder gepaddelt wurde, muss das Schlauchboot definitiv mit Süßwasser abspült bzw. abgewaschen werden. Das Salz würde sonst langfristig die Bootshaut angreifen. Am Ende muss das Boot komplett trocken sein, damit sich bei der Lagerung kein Schimmel bildet.

aufblasbares_kajak_trocken_wischen
Am besten eignet sich für das Reinigen und Trockenwischen ein Schwamm.

3. Die sachgemäße Lagerung eines Schlauchbootes nicht unterschätzen.

Wird das Boot über einen längeren Zeitraum (z.B. beim Einwintern) gelagert, sollten einige Punkte beachtet werden. Bei einer längeren Lagerung sollte das Schlauchboot locker zusammengelegt, und nicht komprimiert verpackt bzw. fest verschnürt sein, wie es beim Transport üblich ist. Wer ausreichend Platz hat, kann sogar das Boot in einem leicht aufgeblasenen Zustand lagern. Wichtig ist, dass das Schlauchboot nicht während der Lagerung belastet wird, z.B. durch schwere draufliegende Gegenstände. Es sollte an einem trockenen, vor direkter Sonneneinwirkung geschützten Ort ohne großen Temperaturschwankungen aufbewahrt werden. Wer wirklich nicht viel Platz hat, kann das Boot dennoch in der Transporttasche bzw. im Rucksack lassen. Hier ist nur zu beachten, dass nach einiger Zeit das Boot anders zusammengelegt gelagert werden soll, sodass keine bleibenden Falten im Boot entstehen.

4. Direkte Sonneneinwirkung beim Schlauchboot außerhalb des Wassers vermeiden.

Gerade bei längeren Pausen auf der Paddeltour, also wenn das Schlauchboot ans Ufer gezogen oder sogar ans Land getragen wird, vergessen viele Leute vor allem eins: die direkte Sonneneinwirkung. Im Frühjahr oder Herbst weniger kritisch, aber im Sommer kann die Sonne das Boot zerstören. Im Wasser kann die Sonne dem Schlauchboot nichts anhaben, da es durch das Wasser ständig gekühlt ist. Wenn es möglich ist, kann man das Boot im Wasser lassen und es mit einem Seil am Land befestigen. Am Land aber erhöht sich durch die direkte Sonneneinstrahlung der Druck in den Luftkammern von selbst. Eine Veränderung von 1 °C bewirkt eine entsprechende Veränderung des Luftdrucks von +/- 4 mbar (0,06 PSI). Hier ist es empfehlenswert, das Boot in den Schatten zu legen oder abzudecken. Auch ist es möglich, etwas Luft vom Schlauchboot abzulassen. Ansonsten überdehnt sich das Material und die Nähte können reißen.

5. Die Finne abhängig vom Gewässer nutzen.

Vor allem Schlauchkajaks und -kanus sind mit einer Finne ausgestattet. Diese Richtungsflosse lässt das Boot gut geradeaus laufen. Jedoch sollte eine Finne nur bei tiefem Wasser verwendet werden. Bei flachen Wasser könnte die Finne den Boden des Bootes beschädigen und bei Wildwasser die Manövrierfähigkeit beeinträchtigen. Gerade qualitativ hochwertige Schlauchboote haben einen stabil geformten Rumpf, sodass diese Boote auch ohne Finne einen guten Geradeauslauf haben.

gumotex_framura_finne2
Eine Finne sollte nur aus bei ausreichender Wassertiefe verwendet werden.

6. Die Gefahr von spitzen Gegenständen vorher erkennen.

Im Gegensatz zu einem Hartschalenboot sollte ein Schlauchboot nicht ans Ufer oder übers Land gezogen, sondern an den entsprechenden Tragegriffen getragen werden. So vermeidet man eine Beschädigung der Bootshaut durch spitze Gegenstände. Auch während der Fahrt sollten mit dem Schlauchboot unnötige Grundberührungen vermieden werden. Je qualitativ hochwertiger das Schlauchboot, desto stärker das Material und mehr hält die Bootshaut aus. Nichtsdestotrotz sollten bei Schlauchbooten immer der Kontakt mit spitzen Gegenständen vermieden werden.

Erfahrungen oder Fragen?

Habt Ihr auch ein Schlauchboot und weitere Tipps, oder habt ihr Fragen zum Thema? Dann hinterlasst uns gerne ein Kommentar und wir antworten Euch gerne!

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Hallo.
    Erstmal vielen Dank für euere informativen Seiten. Ihr schreibt: “Eine Veränderung von 1 °C bewirkt eine entsprechende Veränderung des Luftdrucks von +/- 4 mbar (0,06 PSI)”. Diese Aussage wird von Bedienungsanleitung zu Bedienungsanleitung abgeschrieben, ohne sie zu hinterfragen. Hab’ mal “wegen Eigenbedarf” nachgerechnet und vorsichtshalber einen befreundeten Physiker gegenrechnen lassen:
    “Gleichung eines idealen Gases”: p1 x V1 / T1 = p2 x V2 / T2 (P: Druck, V: Volumen, T: Temperatur)
    V1 und V2 setzen wir gleich, nehmen also an, die Hülle des Bootes wäre unendlich fest. Da sich die Hülle in Wirklichkeit ein bißchen dehnen kann, wird die Drucksteigerung in der Realität etwas geringer ausfallen.
    Wenn V1 = V2, kann man man V1 und V2 rauskürzen.
    Nach p2 umgestellt: p2 = p1 / T1 x T2. Für eine Kammer mit 1bar ergibt sich bei einer Temperaturänderung von 20°C (293K) auf 21°C also eine Druckänderung von ~3,7mbar. Passt!
    Also alles richtig? Nein! Denn bei einem Ausgangsdruck von z.B. 0,07bar ergibt die gleiche Temperaturänderung nur noch eine Druckerhöhung um ~0,24mbar.
    Wer eine Abschätzung braucht: Ein Temperaturänderung von +/- 1°C (eigentlich K(elvin)) ergibt eine Druckänderung von ~ +/- 0,4%. (Man muss hier nicht mit “Zinseszins”..äh..Druckesdruck ;o) rechnen. Für den in Frage kommenden Temperaturbereich ist genug Reserve drin. Es genügt, die 0,4% mit der Temperturdifferenz zu multiplizieren, also 10K 4%, 25K 12% ) Grüße, Peter

    1. Hallo Peter,
      die Formel stimmt, aber du hast die falsche Zahl genommen. Die Formel geht nur mit dem ABSOLUTEN Druck. Zum Druck auf dem Manometer (die 0.07 bar im 2ten Beispiel) muss der Umgebungsdruck 1bar dazugerechnet werden.
      Um den druck im Boot zu bekommen, mußt du vom Ergebnis wieder 1bar abziehen:
      P2 =((P1+1bar) / T1*T2) -1bar. Bei 0,07 kommt 0,0737 bar (gerundet] raus. Das sind auch ungefähr 0,004bar pro °C.
      Das mit dem Absolutendruck ist auch logo: Wenn Du eine leere Tupperbox zumachst und in den Kühlschrank tust, entsteht innerdrin ein Unterdruck. Das Mannometer zeigt eine Minus-Zahl (wenns das anzeigen kann). Jetzt holst du die Box wieder raus und machst sie warm. Jeder weiss das der Druck steigt. Mit einem Minus-Wert in der Formel kommt aber immer was noch mehr Unterdruck raus. M.

  2. Bitte wo kann man so eine finne kaufen?

    1. Hi,
      z.B. bei Arts-Outdoors. Die Finne ist auch einzeln erhältlich, falls dein Boot solch eine Finnenhalterung schon hat.
      Viele Grüße
      Sebastian

  3. Intex Challenger K2
    Sorry kann ich gar nicht entfehlen!!
    Wir hatten 2 davon. 1 Sommer mehrfach auf der Talsperre benutz, im zweiten Sommer am Plattensee bei beiden ein riss an der Schweißnaht. Boote sind sehr eng (kein platz für die Füße bei 1.65 m Körperlänge) . Seit Jahren haben wir von Deckatlon unsere Boote und immer noch super. werden jetzt aber auf Gumotex umsteigen.
    Mfg
    Stefan Katona

    1. Hi Istvan,
      das Challenger K2 ist ein absolutes Einsteiger Kajak. Die Qualität spiegelt sich hier deutlich im Preis wieder. Man kriegt, was man bezahlt. Dass die Nähte nach einiger Zeit reißen, sollte aber nicht sein. Das passiert eigentlich nur, wenn der Luftdruck zu hoch ist (z.B. zu viel aufgepumpt oder das Boot zulange in der Sonne stand). Dennoch werden Nähte hochwertigerer Boote eindeutig mehr aushalten.
      Viele Grüße
      Sebastian

  4. Habt Ihr schon mal Erfahrung mit Booten der Marke Kokopelli gemacht, ich interessiere mich gerade für das Moki, ein Schlauchkajak mit Drop-stitch Boden?
    Leider habe ich noch keine Erfahrungsberichte gefunden.
    Alternativ würde ich mich auch für das Nortik 1 XL (kleine Tagestouren auf Seen und Flüssen) entscheiden. Bin mir aber nicht sicher, ob ich das als Frau alleine aufbauen kann, für Sonntagnachmittag tour vielleicht zu umständlich?

    1. Hi Heike,
      es gibt eine Vielzahl von Schlauchkajaks mit Drop-Stitch Boden. Einige davon stellen wir unserem Artikel Drop-Stitch Kajak vor. Wir sind noch kein Kokopelli Packraft oder Kajak gepaddelt, und können daher keine Aussage zur Robustheit oder zu den Fahreigenschaften treffen. Das Kokopelli Moki macht einen interessanten Eindruck, hat aus unserer Sicht ein ziemlich ansprechendes Design und bringt viele Features eines guten Schlauchkajaks mit. Das Moki wiegt 17 kg (1er Kajak) bzw. 24 kg (2er Kajak), was recht viel für ein aufblasbares Kajak ist. Die Lite Version mit 11,3 kg ist da deutlich transportabler. Zu beachten ist, dass die Seitenwände aller Moki Kajaks aus Nylon bestehen, was die Trocknung nach dem Gebrauch deutlich verlängert im Vergleich zu PVC- oder Gummi beschichteten Polyestermaterialien. Der Aufbau des nortik Scubi 1 erfordert etwas Kraft und Übung. Wer es nur selten nutzt, dem wird es bei jedem Aufbau so gehen. Für kurze spontane Touren finden wir ein reines Schlauchkajak deutlich praktischer.
      Viele Grüße
      Sebastian

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