26.12.2017

Kanu, Kajak, Kanadier
Wo liegt der Unterschied?

Sind das alles Synonyme? Nein, nicht ganz! Umgangssprachlich wird zwischen Kanu und Kajak unterschieden. Dabei bezeichnet man mit Kanu den Kanadier. Beide Boote werden mit einem Paddel angetrieben und gesteuert. Beide Bootstypen können je nach Modell zur Erholung als auch für Wassersport, Angeln oder Touren verwendet werden. Jedoch gibt es einige Unterschiede, die im folgenden Abschnitt aufgezeigt werden.

Unterschied zwischen Kanu und Kajak​

Die nachstehende Grafik und Tabelle soll eine knappe Gegenüberstellung beider Bootstypen verdeutlichen. Anschließend werden auf die Unterschiede genauer eingegangen und Dir erklärt, für wen ein Kanu oder ein Kajak besser geeignet ist. Falls Du nach dem Artikel immer noch unsicher bist, kannst Du auch in einem Fachgeschäft oder bei einem Verleih beide Bootstypen Probe paddeln.

Kanu Kajak Unterschied

Das Kanu wird mit einem Stechpaddel (also mit einem Blatt) angetrieben. Die Paddeltechnik mit einem Stechpaddel ist etwas schwieriger zu erlernen, vor allem wenn man alleine paddelt. Deswegen gibt es Kanus für 2 oder mehr Personen. Ein Kanu ist meistens komplett offen, d.h. es gibt kein Verdeck als Spritzschutz. Einige Kanus haben jedoch kleine Spritzdecken bzw. -abdeckungen am Bug und Heck. Das Kanu wird kniend oder bei Tourenkanus oft sitzen in einer erhöhten Sitzposition gepaddelt. Es bietet viel Stauraum für Gepäck.

Das Kajak hingegen wird mit einem Doppelpaddel angetrieben. Das bedeutet, es kann sehr gut ab einer Person bereits gepaddelt werden. Außerdem ist ein Kajak oft mit einem Spritzschutz versehen. Das Kajak wird immer sitzend gefahren und im Vergleich zum Kanu sitzt man tiefer. Aufgrund der flachen und schmaleren Form, ist ein Kajak schneller und weniger windanfällig als das Kanu. Es hat jedoch weniger Zuladungsmöglichkeiten und das Beladen ist aufgrund des Verdecks umständlicher. Daher haben viele Kajaks meist auf dem Bug und Heck Gepäckriemen, um Gepäck zu befestigen.

Paddeln im Kajak mit einem Doppelpaddel
Mit dem Gumotex Palava auf dem Wasser
Paddeln im Kanu mit einem Stechpaddel

Welcher Bootstyp ist nun der Richtige für mich?​

Es kommt darauf an, was Du damit machen möchtest. Wenn Du längere Touren mit viel Gepäck unternehmen möchtest und die zurückgelegten Tageskilometer nicht im Vordergrund stehen, dann ist das Kanu das bessere Schlauchboot für Dich. Es bietet mehr Platz für Dein Gepäck, wie für deine Campingutensilien. Auch ist das Schlauchkanu das familienfreundlichere Boot, da der Ein- und Ausstieg sowie die Zuladung von Gepäck einfacher ist. Es eignet sich besonders für das Paddeln auf Fluss- und Seenlandschaften.

Wenn Du sportlicher unterwegs sein möchtest, dann ist das Kajak das bessere Schlauchboot für Dich. Aufgrund seiner Form ist es schneller und Du schaffst mehr Kilometer. Bei vielen Schlauchkajaks gibt es einen Spritzschuz. Dieser schützt Dich besser bei herausfordernden Wasserbedingungen vor dem Eintritt von Wasser ins Boot. Auch wenn Du alleine paddeln möchtest, ist ein Schlauchkajak die bessere Wahl. Es eignet sich je nach Modell für die Fahrt an der Küste, auf Flüssen und Seen sowie auf dem Wildwasser. Wenn Du mit dem Paddeln anfangen möchtest, ist ein Schlauchkajak die bessere Wahl. Es gibt Schlauchkajaks bereits im niedrigeren Preissegment. Die Paddeltechnik ist einfacher zu beherrschen und erfordert weniger Übung. Außerdem sind Schlauchkajaks leichter vom Gewicht.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Hallo Sebastian, hallo Ulli,
    denke es wird Zeit, sich von der verwirrenden sprachlichen Unterteilung der Begriffe Kanu, Kajak und Kanadier zu lösen:

    Kanu-Kajak-Kanadier – Sprachhistorischer Unsinn!

    Vorab: Es gibt keinen sprachhistorisch nachvollziehbaren oder einen anderen funktional logischen Grund, das Wort Kanu als Oberkategorie für Kanadier und Kajak zu benutzen – im Gegenteil: das schafft bei weiten Teilen der Bevölkerung Verwirrung und großes Unverständnis!
    Zur Sprach- und Begriffsgeschichte:

    Kanu (Canoe) geht auf span. Canóa zurück, einem karibischen Lehnwort (Ursprungssprache
    scheint unklar). Canoas waren ursprünglich entweder Einbäume oder Pirogen (Einbäume mit
    technischen Veränderungen wie z.B. erhöhten Bordwänden oder auseinander gespreiztem Rumpf) im Gebiet der Antillen. Bereits Columbus hat dieses Wort in seinen Berichten benutzt. Das Wort fand über das Spanische Eingang in andere europäische Sprachen. Petri‘s Handbuch der Fremdwörter von 1896 listet es unter dem Eintrag „Cánoe“ als Lehnwort aus dem Spanischen mit der Bedeutung ” Boot, Kahn (aus Baumrinde oder Baumstämmen) der Indianer“. Die deutsche Schreibweise ist aber vermutlich auf die Eindeutschung der englischen Aussprache des aus dem Spanischen ins Englische entlehnte „canoe“ zurückzuführen. Das Duden Herkunftswörterbuch führt auch Englisch als unmittelbare Herkunftssprache des Wortes an. Die Ausdehnung des Begriffs auf die nordamerikanischen Rindenboote geht vermutlich auf die französischen Kolonialisten zurück (franz. Canot). Vor der Aneignung des Kanus als Sportgerät tauchte der Begriff vornehmlich in den Reiseberichten von Entdeckern und Missionaren, Romanen (z.B. Cooper, May) und, ab dem späten 19. Jh., in der ethnologischen Fachliteratur auf. Kanu entwickelt sich laut dem Wörterbuch der Völkerkunde zu einem ”Pauschalbegriff für alle nordamerikanischen Boote, insbesondere für die Birkenrindenboote der kanadischen Subarktis“. 1907 versucht der Ethnologe Georg Friederici Ordnung in die Sache zu bringen und stellt eine an morphologischen Kriterien ausgerichtete Typologie amerikanischer Wasserfahrzeuge auf. Danach gibt es folgende Bootstypen: Canóa (einfacher Einbaum), Pirágua (Einbaum mit zusätzlichen Modifikationen wie etwa durch Planken erhöhtem Freibord), Kanu (Rindenboote), Dalca (Boot auf Basis des Kanus aber mit Brettern oder Rindenstücken beplankt), Fell-Boot (wie der Name schon sagt). Mit Ausnahme des Dalca (auf die chilenische Küste beschränkt) und der Fell-Boote (auf die nordamerikanische Arktis beschränkt) sind alle Bootstypen über den ganzen Kontinent verbreitet.

    Kajak geht auf inuktitut Qa‘jaq zurück. Damit ist das Männerboot der Eskimos gemeint. In der Ethnologie wird die Bezeichnung auf die typgleichen Boote der Aleuten, Küstentschuktschen und Küstenkorjaken ausgedehnt. In jedem Fall handelt es sich um ein mit (enthaarten) Fellen (Robben) bezogenes Holzgerippe, bei denen lediglich ein von einem Rahmen eingefasstes Sitzloch offen bleibt, mit dem sich der Anorak des Paddlers wasserdicht verbinden lässt. Das Kajak ist in seiner Gesamtheit ein hochspezialisiertes Fahrzeug und es gehört schon eine gewisse Betriebsblindheit dazu, wenn man behauptet, es sei eine Art Kanu.

    Die beiden ursprünglich namensgebenden Boote, das Canóa und das Qa‘jaq sind, sowohl was die Form als auch was die Verbreitung betrifft, gänzlich bezugslos (abgesehen davon, das beides Wasserfahrzeuge sind). Der Umstand, dass das Wort „Kanu“ plötzlich vom Deutschen Kanuverband e.V. im Jahre 1920 zur Oberkategorie erhoben wurde, ist wohl darauf zurückzuführen, dass diese Bezeichnung zeitweilig für alle Boote der amerikanischen Ureinwohner stand. Der Grund hierfür liegt jedoch in einer Mischung aus Ahnungslosigkeit, Desinteresse und unreflektiertem Nachgeplappere. Als es dann notwendig wurde, den individuellen Begriff Kanu (den Bootstyp) vom generischen Begriff Kanu (der Kategorie Kanu/Kajak) abzusetzen, wurde mal eben ein zusätzlicher individueller Begriff geschaffen, nämlich „Kanadier“, Dieser Begriff beschreibt aber eigentlich denjenigen, der in Kanada lebt – nicht einen Bootstyp! Damit hatte man zwar eine eindeutige Terminologie innerhalb des Deutschen Kanuverband e.V, aber auch ein Wort mehr als vorher. Es hätte natürlich auch genügt, Paddelboot als generischen Begriff festzulegen. Das wäre einfacher gewesen und käme auch dem allgemeinen Sprachgefühl entgegen (das zeigt jedenfalls eine schnelle Googlesuche mit dem Wortpaar Kanu/Kajak, bei der diese ganz überwiegend als gleichberechtigte individuelle Kategorien verwendet werden). Letzteres hätte aber der organisierten Vereinsmeierei weniger kreative Betätigung verschafft.
    Ein weiterer Grund sich von dieser künstlichen Einteilung (Kanu= Kandier +Kajak) zu distanzieren ist die Tatsache, dass sie rein in Deutschland gilt. In den nordamerikanischen Herkunftsländern des Kanus dagegen wird klar zwischen den Bootstypen canoe und kayak unterschieden. Dieses gilt auch für den französischen Teil Kanadas, in dem das canot oder canoë die offene Form und das kayak die oben geschlossene Form darstellt. Auch im Spanischen wird canoa nicht als Überbegriff verwendet, sondern als oben offenes Boot im Gegensatz zum kayak, dem geschlossenen und mit Doppelpaddel betriebenen Boot! Wenn wir Deutsche als einzige eine andere Einteilung haben, dann schafft das in der internationalen Anwendung der Sprachen noch mehr Verwirrung der man im Zuge einer zunehmenden Globalisierung eigentlich entgegenwirken sollte.

    Deshalb mein Vorschlag:
    Paddelboot: Oberbegriff für alle Boote, die mit Paddeln angetrieben werden. Im Gegensatz zum Ruderboot wird ein Paddelboot in der Regel nicht in Rückwärtsrichtung gefahren, sondern vorwärts. Man sieht also, wohin man fährt.
    Kanu: oben offenes Boot, das vornehmlich mit einem Stechpaddel angetrieben wird.
    Kajak: oben geschlossenes Boot mit Sitzluke(n), das mit einem Doppelpaddel angetrieben wird.

    Auswirkungen:
    Diese klare, funktional und sprachhistorisch begründete Einteilung, hat natürlich folgenschwere Auswirkungen, über die sich insbesondere der Deutsche Kanuverein e.V. , der diese Misere im Jahre 1920 verbockt hat, ernsthafte Gedanken machen sollte: Dann müssten sich nämlich im Prinzip alle Kanuvereine in Paddelvereine umbenennen. Kanupolo dürfte dann nur noch Kayakpolo (engl.: kayak polo) oder Wasserpolo (engl: water polo) heißen. Und derjenige, der den Kayak-Sport ausübt könnte nicht mehr Kanute heißen, sondern hier müssten kreative Köpfe, vielleicht ebenfalls in Anlehnung ans Englische (kayaker) oder ans Französische (kayakiste) sich ein neues Wort überlegen. Wie wäre es mit „Kajaker“? Mit „Kajake“? Oder mit „Kajakier“ (französisch ausgesprochen würde dieses Wort sogar einen Hauch von Eleganz kommunizieren)?

    Quellen:
    Boas, Franz [1888] 1964: The Central Eskimo. Lincoln/London.
    Duden 1989: Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim.
    1990 Das Fremdwörterbuch. Mannheim
    Friederici, Georg [1907] 1975: Die Schiffahrt der Indianer. Kassel.
    Hirschberg, Walter (Hg.) 1999: Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin.
    Petri, F. E. 1896: Handbuch der Fremdwörter. Gera.
    Tischner, Herbert (Hg.) 1959: Völkerkunde. Frankfurt/M.

    Deshalb, lieber Sebastian, bleibt bei eurer Definition (die ist mir nämlich gleich sehr positiv aufgefallen) und lasst euch nicht das Wort “Kanadier” aufzwängen, nur damit sich der “Deutsche Kanuverband” (DKV) nicht in “Deutscher Paddelverband” (DPV) umbenennen muß!!
    LG Joachim Sørensen aus Hamburg

    1. Hallo Joachim,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Da steckt schon einiges an Zeit drin. Interessant wäre, ob die Etablierung des Oberbegriffs “Kanu” und die Einführung der Begriffs “Kanadier” deine Vermutung oder Nachweise in Form von zugänglichen Quellen gibt? 🙂
      Viele Grüße
      Sebastian

  2. Bei dieser Überschrift könnte man die Begriffe schon korrekt erklären und nicht nur sagen wie es umgangssprachlich ist:
    Ein Kanu ist ein Boot, das mit Paddeln in Blickrichtung bewegt wird, auch Paddelboot genannt. Die wesentlichen Gattungen sind Kajaks und Kanadier. (…)
    (…) Im Britischen Englisch wird canoe wie im Deutschen als Oberbegriff verstanden und der Kanadier als open canoe, Canadian canoe oder Indian canoe bezeichnet. Im amerikanischen Englisch dagegen bezeichnet canoe einen Kanadier, wie auch das französische canoë. …
    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kanu

    1. Hallo Uli,

      vielen Dank für deinen Hinweis, der auch richtig ist und entsprechend bei der nächsten Überarbeitung einfließen wird =)

      Viele Grüße
      Sebastian

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